Ich lese gerade den zweiten Teil von J. J. Voskuils Romanzyklus „Das Büro“ – „Schmutzige Hände“. Und wie schon beim ersten Teil bin ich fasziniert, wie der einfache Büroalltag einer volkskundlichen Abteilung den Leser so in den Bann ziehen kann.

Ich habe letztens mal wieder in einem Klappentext gelesen, dass das nämliche Buch auf der Kandidatenliste irgend eines Preises stand.

Es gibt doch heutzutage schon genug Literatur- und Buchpreise. Ist es da nötig, dass zu jedem noch eine Longlist, eine Shortlist und eine Kandidatenliste veröffentlicht wird? Lassen sich Bücher nur noch verkaufen, wenn ihnen der Geruch der Preiswürdigkeit anhängt? Lassen die Leser Bücher links liegen, die nicht irgendwann mal im Zusammenhang mit irgendeinem Preis erwähnt wurden? Oder ist es nur eine Selbstbeweihräucherung der Bucherzeugungs-, -produktions- und -vertriebsmaschinerie?

Ich wurde und werde immer wieder und immer häufiger von preisträchtigen Büchern enttäuscht. Somit haben für mich die Listen eher den Mehrwert, zu zeigen, was ich nicht lesen sollte.

Daher sollte ich um noch mehr Preise und Listen bitten, um den Dschungel der (Neu)Veröffentlichen besser auszuholzen. Oder macht einen Preis, der nicht mit einem Preis gewürdigten Bücher. Dem würde ich sofort vertrauen.

Jürgen Kaubes Buch „Die Anfänge von Allem“ ist ein Geschichtsbuch der besonderen Art. Die Idee des Autors war, historische Ereignisse zu porträtieren, die (fast) keine archäologischen Spuren hinterlassen haben.

Er beginnt mit der Entwicklung des aufrechten Ganges. Dann geht es weiter mit dem Kochen, dem Sprechen, der Sprache, Kunst und Religion, über Stadt und Staat bis zu Geld und Monogamie (und einigen weiteren hier nicht aufgezählten Themen).

Kaube erläutert jedes Thema äußerst detailliert. Alle Aussagen sind durch Literaturverweise abgesichert (das ergibt ca. 50 Seiten Querverweise). Auch modernste Theorien und Modelle jenseits der wissenschaftlichen Trampelpfade werden erwähnt und oft als die bessere Alternative beschrieben. Und trotz der hohen Informationsdichte ist das Ganze noch gut lesbar.

Für Geschichtsinteressierte eine unbedingte Leseempfehlung.

Der Band „Die Eleganz des Feuilletons: Literarische Kleinode“ herausgegeben von Hildegard Kernmayer und Erhard Schütz führt den Leser in die Welt des Feuilletons. Bekannte deutschsprachige Autoren vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, wie z.B. Egon Erwin Kisch, Alfred Polgar, Ernst Bloch, Daniel Spitzer, analysieren, polemisieren, karikieren in ihren Feuilletons die Herkunft, Struktur, Aufgabe und Wirkung des Feuilletons. Das kurze Bändchen ist kurzweilig zu lesen. Ein Nachwort der Herausgeber gibt den Leser zusätzliche Informationen über die Geschichte und Entwicklung des Feuilletons.

Ich war schon wieder in der letztens erwähnten Buchhandlung. Ich bin wohl ein hoffnungsloser Optimist. 

Und diesmal war es noch erstaunlicher. Da ich mir das zu lange Suchen ersparen wollte, habe ich nur kurz in ein paar Regalen nachgeschaut und bin dann gezielt auf eine der Fachkräfte zugegangen. Ich gab ihr eine Liste mit den von mir gesuchten Werken. Und dann geschah das Wunderbare. Als sie selbst auf eines der Regale zueilen wollte, erwähnte ich, dass ich da selbst schon erfolglos nachgeschaut hätte. Da warf sie einen zweiten Blick auf den Zettel und versicherte mir, dass sie die Werke dann wohl nicht da hätten. Meine Nachfrage, ob die Bücher denn eventuell auf Lager wären, wurde sofort verneint. Sofort! Ohne Konsultation des Computers! Bewundernswert das Gedächtnis dieser Fachkräfte. Den ganzen Lagerbestand! Ich bin immer noch fasziniert. 

Als ich dann auf meiner fortgesetzten Suche noch einen anderen Buchladen konsultierte, wurde dort noch ganz konventionell der Computer befragt. Irgendwie altmodisch. Aber trotzdem habe ich mich da als Kunde nicht als Störfaktor gefühlt. Ich bin wohl auch altmodisch.  

Daniel Kampa hat dem Börsenblatt ein Interview gewährt und darin versichert, dass die 75 Maigret-Bände innerhalb der nächsten zwei Jahre wieder verfügbar sein werden.

Ich kaufe ja Bücher nicht, weil ich sie alle benötige, sondern weil ich mir ausmale, wie herrlich es sein wird, sie demnächst – sagen wir: eines Tages, zu lesen.

Durs Grünbein in „Die beste Buchhandlung der Welt“, S. 101f.