Ich bin ja der Meinung, es ist immer am Besten, auf die Quellen zurückzugreifen, als nur Sekundärliteratur zu lesen. Also habe ich mir mal Luthers 95 Thesen angetan (in einer neuen Übersetzung und mit einem lesenswerten Nachwort versehen von Karl-Heinz Göttert).

Naja, so toll sind die Thesen ja nicht. Und Göttert weißt auch deutlich darauf hin, dass die Reformation durch die Schriften, die auf die Thesen folgten, und weniger durch die Thesen selbst ausgelöst wurde. In den Thesen geht es fast ausschließlich um den Ablasshandel. Aber weniger darum, ihn zu verbieten, als ihn zu verbessern und „richtig“ zu machen. Buße ist das Stichwort. Man muss Büßen und Leiden, dann wird Gott Gnade walten lassen. Hauptsache Büßen und Leiden. Auf das Geld kann man dann verzichten. Auf den Ablass dann eigentlich auch. Egal, der Papst hat immer Recht. Was für ein Geschwurbel!

Aber wie sagt man so schön. Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. These 46 ist sogar fast sympathisch:

Man soll den Christen sagen: Wer nicht gerade im Überfluss lebt, soll alles Notwendige für sein Hauswesen behalten und keinesfalls für Ablässe verschwenden.

Das Hörbuch „Es ist schon ein selbstmörderisches Gewerbe“ präsentiert Arno Schmidt und Hans Wollschläger und ihr Verhältnis in der Tradition der Radioessays von Schmidt.

Auf der Grundlage des Briefwechsels und Auszügen aus beider Werk werden Teile Ihrer Autorenbiographie beleuchtet und die Entwicklung des Verhältnisses dieser außergewöhnlichen Autoren aufgezeichnet.

Das Hörbuch ist leider viel zu kurz geraten. Der sehr unterhaltsame und informative Ritt durch einen Teil der deutschen Literaturgeschichte ist viel zu schnell vorbei. Aber nichtsdestotrotz sollte man sich dieses Hörbuch auf keinen Fall entgehen lassen. Und ob der Kürze kann man es ja auch mehr als einmal hören.

Eine unbedingte Empfehlung!

Ich war mal wieder in einer deutschen Buchhandlung. Das war keine gute Idee. Aber irgendwie zieht es mich doch immer wieder hinein.

Beim Betreten ließ ich die Bestseller- und Das-ist-neu-und-super-Tische gleich links liegen. Da ist sowieso nichts für mich zu holen. Beruflich bedingt schaue ich bei den Naturwissenschaften vorbei. Da stehen auf zwei Regale gedrängt Biologie, Physik, Astronomie etc. Überwiegend Sach-, kaum Fachbücher. Schräg gegenüber bekommt dafür die Religion fast den halben Raum spendiert. Aufgrund der Nachfrage oder ist das ein Zeichen unserer Zeit?

Noch einen Blick zur Science Fiction und Fantasy. Nichts was ich sofort haben muss. Aber ein interessantes Kundengespräch in der Nachbarabteilung aufgeschnappt (nur inhaltlich wiedergegeben):
Kunde: Ich suche was leichtes für den Urlaub am Strand. Würde sich das Buch hier eignen?
Händler: Ich habe es nicht gelesen, aber es passt ganz bestimmt. Es ist wunderbar leicht und sehr unterhaltsam. Das ist genau das, was Sie im Urlaub lesen wollen.

Da mag sich niemand wundern, warum ich mich nicht mehr beraten lasse.

Ein kurzer Blick zu den Klassikern, Geschichte, Philosophie. Auch nichts für mich.

Früher konnte ich keinen Buchladen verlassen, ohne nicht mindestens ein Buch gekauft zu haben. Heutzutage schwanke ich zwischen Enttäuschung und Entsetzen, wenn sich die Tür wieder hinter mir schließt. Es ist wahrlich keine Freude mehr, diese Hochburgen des Kitsch, der Glückwunschkarten und der sanften Urlaubslektüre zu betreten. Nee, wirklich nicht.

Ich glaube, ich bestelle mir jetzt was bei Amazon.

 

Den Film „Fear and Loathing in Las Vegas“ kennen sicher einige. Er basiert auf einer Reportage von Hunter S. Thompson. Und da Thompson gerade einen runden Geburtstag hätte absolvieren können, war es an der Zeit, mal etwas von ihm zu lesen.

Meine Wahl fiel auf Gonzo Generation: Das Beste der Gonzo-Papers“. Das ist eine Sammlung von journalistischen Artikeln von Thompson. Manches davon ist unlesbar. Andererseits finden sich in dieser Sammlung aber auch wirklich sehr klar geschriebene, hoch interessante Artikel. Wie zum Beispiel den über die ersten Hippies in San Francisco (veröffentlicht 1967).

Sehr schön ist auch, wie Thompson immer wieder über die amerikanischen Präsidenten herzieht. Es klingt alles sehr vertraut. Es scheint, als hätten die Amerikaner kein gutes Händchen bei der Wahl ihrer Staatsoberhäupter.

Gegenwärtig lese ich Der Gallische Krieg: Geschichte und Täuschung in Caesars Meisterwerk“ von Markus Schauer. Da ich keinen Latein-Unterricht hatte, musste/durfte ich mich nie näher mit Caesars „Bellum Gallicum“ auseinandersetzen. Doch macht mir diese gegenwärtige Lektüre große Lust, es doch mal mit dem ollen Caesar zu versuchen (natürlich in einer Übersetzung). Schauer analysiert sehr detailliert Caesars Werk bezüglich der Gattungsgeschichte, des Aufbaus, der angestrebten Wirkung und der dazu verwendeten Mittel. Es ist erstaunlich, was man über den Inhalt hinaus durch diese Analyse so alles erfährt.

Ich lerne ja immer gern dazu und möchte meinen Blog verbessern. Daher besuche ich von Zeit zu Zeit die Topliste der deutschen Buchblogger und schaue mir die Top-Favoriten bzw. die besonders schnellen Aufsteiger an. Und da fällt mir immer wieder auf, dass die Blogs mit Bildern nur so gespickt sind. Zum Beispiel enthalten die Rezensionen Bilder des Buches von vorn, von hinten, von oben, etwas necksich von der Seite und eventuell noch mit einem Kuscheltier. Dazu viel bunt und möglichst auffällig.

Um es aber mal klar zu sagen, es geht dabei nicht um Bilderbücher. Warum kann ein Blog, bzw. um es noch einmal zu betonen ein Bücher-Blog, nicht allein mit Text erfolgreich werden. Geht es in den Rezensionen, Bewertungen und anderen Blog-Artikeln nicht um die Vermittlung von Informationen? Sind die Blog-Besucher keine Leser? Leser von Lesen, nicht Gucken.

Ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob ich, um mehr Leute anzuziehen, mehr Bildchen zwischen meine Texte streuen sollte. Aber das wäre dann nicht mehr mein Blog. Das wäre nicht ich.

Ich freue mich also über Jeden, der sich hierher verirrt und liest. Gucker folgen bitte diesem Link.

Du sollst nicht auf euphorische Online-Reviews und positive Amazon-Rezensionen hereinfallen!

Ich hätte es wissen können. Christine Wunnickes Buch „Katie“ ist einfach zu viel gelobt worden. Natürlich interessiert mich ein Buch, in dem die Entdeckung der Kathodenstrahlen eine Rolle spielt. Aber es ist immer auch eine Frage, wie die Geschichte erzählt wird. Und in diesem Falle ist sie miserabel erzählt. Zu viele Geister, Piraten und Schränke. Leider! Das geht besser. Man kann Wissenschaft spannend literarisch verarbeiten, ohne Showeffekte und Geschwurbel. Ich möchte da nur auf Neal Stephensons „Quicksilver“ verweisen.

Also, Finger weg von Katie!