Es ist schon erstaunlich, daß Wissenschaftler, die noch vor ein paar Jahren glaubten, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch auf den Begriff bringen zu können, angesichts dummdreister Sprechblasen aus dem Jargon des New Mana­gement nahezu widerstandslos kapitulieren. Daß es nie­mand mehr auffällig findet, wenn Universitätslehrer zur Nachbesserung ihrer hochschuldidaktischen Fähigkeiten zu einer Unternehmensberaterin mit abgebrochenem Psychologiestudium geschickt werden, daß es niemand anstö­ßig findet, wenn Kandidaten für eine Professur oder Assi­stentenstelle sich im Assessment Center produzieren müssen, daß niemand aufschreit, wenn die letzten Ladenhüter der Unternehmensideologien den Universitäten als der neueste Schrei verkauft werden – vom Blended Learning über Diversity Management bis hin zur »Wissensbilanz« -, sagt eigentlich alles über die Widerstandskraft der institutiona­lisierten Wissenschaft gegenüber dem Zeitgeist: Sie ist so gut wie nicht vorhanden.

(Konrad Paul  Liessmann „Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft“, S.122f.)