Den Geisteswissenschaften wurde es zum Ver­hängnis, daß sie ohne großen materiellen Aufwand betrie­ben werden können. Wenn die Eintreibung von Drittmit­teln zum Qualitätskriterium einer Wissenschaft wird, wird der zum Versager, der solche Mittel gar nicht benötigt, weil ein Kopf zum Denken genügt. Ein kleines geisteswissen­schaftliches Institut, das kaum mehr kostet als ein Professor und seine Assistenz, aber nur wenige Absolventen aufzuwei­sen hat, muß deshalb aus Kostengründen geschlossen wer­den; die paar hundert Millionen Euro, die für ein schlecht geplantes Technologieinstitut so nebenbei in den Sand ge­setzt werden, fallen demgegenüber nicht weiter ins Gewicht.

(Konrad Paul  Liessmann „Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft“, S.125)