Wenn MRR ein Buch empfiehlt, lässt mich das aufhorchen. In einem Buch über Romane der 30er Jahre ging es unter anderem auch um August Scholtis‚ „Ostwind“. Also habe ich mir das Buch antiquarisch besorgt (neu ist es nicht mehr zu bekommen) und erst mal auf Halde gelegt. Irgendwann fiel es mir letztens wieder in die Hände, und ich habe mich (zum Glück) überwunden, es zu lesen.

Das erste, das einem beim Lesen auffällt, ist die Sprache. Scholtis liebt es offenbar, mit der Sprache zu spielen, mit der Sprache Bilder zu entwickeln. Wer Wert auf ausgefallene Sprache legt, hat damit schon einen Grund, diesen Roman zu lesen.

Des weiteren ist das Buch, wie es der Untertitel „Ein schlesischer Schelmenroman“ suggeriert, voller Schelmenstreiche, bei denen auch der Teufel nicht zu kurz kommt. Der Teufel, der grundsätzlich mit dem deutschen Gruß auftritt, war offensichtlich auch einer der Gründe, daß der Roman sehr schnell verboten wurde.

Und wem Humor und Sprache noch nicht genügen, findet in „Ostwind“ auch einen politischen Roman. Die Handlung ist eingewoben in die Geschehnisse in Ostschlesien von der Zeit vor dem ersten Weltkrieg bis zu den Aufständen im Zusammenhang mit der Volksabstimmung und der Aufspaltung nach den Versailler Verträgen.

Leider ist dieser Roman ins Vergessen geraten. Wohl auch aufgrund des Verbotes durch die Nazis. Das hat das Buch nicht verdient. Jedem, der Wert auf gute Lektüre legt, kann ich „Ostwind“ uneingeschränkt empfehlen.