Es war mir bisher nicht bewusst, das es doch mehrere interessante Päpste gegeben hat. Silvester II. war mir z.B. als Wissenschaftler bekannt. Nun bin ich auf Pius II. gestoßen. Ich lese gerade die Biographie „Pius II. Piccolomini: Der Papst, mit dem die Renaissance begann“ von Volker Reinhardt. Als Enea Silvio Piccolomini schrieb er unter anderem erotische Novellen und Stücke. Seine bekannteste Novelle ist „Euryalus und Lucretia“. Und er ist einer von nur zwei Päpsten, die eine Autobiographie verfasst haben („Ich war Pius II: Memoiren eines Renaissancepapstes“).

Reinhardts Biographie gibt einen interessanten Einblick in das 15. Jahrhundert. Die politischen Verhältnisse, die internen Vorgänge in der katholischen Kirche, Kultur- und Sittengeschichte. So war z.B. jeder der außerhalb Italiens geboren war, per se ein Barbar. Und wenn es dann noch nicht einmal Brot und Wein gab, war man jenseits der Zivilisation (z.B. in Schottland). Piccolomini war als Diplomat ständig unterwegs und hatte damit Einblick in viele Teile Europas. Außerdem war er ein fleißiger Autor nicht nur von Belletristik, sondern auch von historischen und politischen Werken. Offenbar hat er durch eine Replik auf einen deutschen Beschwerdebrief sogar das Saatkorn des deutschen Nationalverständnisses gelegt.

Seine Autobiographie und „Euryalus und Lucretia“ liegen schon bereit und harren nun einer baldigen Lektüre.