Das titelgebende Zitat ist aus Rolf Bergmeiers Buch „Christlich-abendländische Kultur – eine Legende„. Der Untertitel „Über die antiken Wurzeln, den verkannten arabischen Beitrag und die Verklärung der Klosterkultur“ gibt die Richtung vor.

Die christlich-abendländische Kultur ist ein beliebtes Schlagwort unserer Politiker. Leider ignorieren sie dabei (bewusst oder unbewusst), dass das Christentum keinen Ausschließlichkeitsanspruch auf einen Beitrag zu unserer Kultur besitzt. Bergmeier hebt deutlich die Anteile der griechisch-römischen Antike und der arabisch-islamischen Welt (wie auch schon Jim al-Khalili) hervor. Zusätzlich verweist er auf die Aufklärung (die aber als solches nicht Teil des Buches ist).

Besonders interessant ist der direkte Vergleich des christlichen Mitteleuropas und der arabisch-islamischen Welt in der Zeit zwischen 700 und 1200. Bildung, Wissensdurst und religiöse Toleranz erlauben der arabischen Welt einen kulturellen Aufschwung, während in Mitteleuropa religiöser Fanatismus und Bildungsverweigerung vorherrschen (Didascalia: „Die Bibel genügt für die Bedürfnisse der Bildung.“)

Des weiteren zeigt Bergmeier sehr deutlich auf, wie es in Europa durch den Einfluss der arabischen Kultur zur Renaissance kommen konnte. Auch das christliche Mitteleuropa konnte sich nicht selbst aus dem finsteren mittelalterlichen Sumpf ziehen. Nur leider werden die arabischen und antiken Helfer gerne unterschlagen.

Wir haben keine christlich-abendliche Kultur. Zum Glück! Wir haben eine Kultur, die sich aus viel mehr Wurzeln speist. Wenn wir das nicht vergessen, wird uns der Kontakt mit Fremden viel leichter fallen.