Ich habe gerade eine Phase, in der ich verstärkt Tagebücher lese.

Da kam zuerst das „Galeerentagebuch“ von Imre Kertész. Ein Tagebuch zentriert nur um eine Person – Imre Kertész. Depression, Selbstmordgedanken, sein Schreiben. Das ist zwar verständlich, wenn man Kertész Geschichte in Betracht zieht. Aber der Zeitraum des Tagebuchs überdeckt historisch wichtige Ereignisse. Die, wenn überhaupt, mit einem Teilsatz Erwähnung finden. Was bleibt ist ein Ausbruch von Klagsamkeit.

Dann las ich „Heute bedeckt und kühl: Große Tagebücher von Samuel Pepys bis Virginia Woolf“ von Michael Maar. Ein ausgewogenes und interessantes Potpourri von Tagebüchern beginnend  bei Pepys bis in die Gegenwart der Blogger.

Als Nächstes war „Kronos: Intimes Tagebuch“ von Witold Gombrowicz an der Reihe. Das war eigentlich nie zur Veröffentlichung gedacht (Gombrowicz schrieb für die Veröffentlichung ein anderes Tagebuch). „Kronos“ ist daher auch mühsam zu lesen. Sprunghaft, fragmentarisch. Zentriert um Geld, Krankheit und die Liste der Sexualpartner. Nur ab und zu mal eine kleine Perle – z.B. der erste Besuch bei Grass wird als langweilig charakterisiert.

Gestern habe ich nun „Leben und Schreiben: Tagebücher 1951 – 1962″ von Martin Walser begonnen. Die Zeichnungen und ein Großteil des Textes wirken wie die Ergüsse eines geistig Verwirrten. Wird hier geistige Tiefe durch Schwurbelei vorgetäuscht?

In Wartestellung sind desweiteren die Tagebücher von André Gide, Erich Mühsam, Klaus Mann und einigen anderen.