Ich bin ja der Meinung, es ist immer am Besten, auf die Quellen zurückzugreifen, als nur Sekundärliteratur zu lesen. Also habe ich mir mal Luthers 95 Thesen angetan (in einer neuen Übersetzung und mit einem lesenswerten Nachwort versehen von Karl-Heinz Göttert).

Naja, so toll sind die Thesen ja nicht. Und Göttert weißt auch deutlich darauf hin, dass die Reformation durch die Schriften, die auf die Thesen folgten, und weniger durch die Thesen selbst ausgelöst wurde. In den Thesen geht es fast ausschließlich um den Ablasshandel. Aber weniger darum, ihn zu verbieten, als ihn zu verbessern und „richtig“ zu machen. Buße ist das Stichwort. Man muss Büßen und Leiden, dann wird Gott Gnade walten lassen. Hauptsache Büßen und Leiden. Auf das Geld kann man dann verzichten. Auf den Ablass dann eigentlich auch. Egal, der Papst hat immer Recht. Was für ein Geschwurbel!

Aber wie sagt man so schön. Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. These 46 ist sogar fast sympathisch:

Man soll den Christen sagen: Wer nicht gerade im Überfluss lebt, soll alles Notwendige für sein Hauswesen behalten und keinesfalls für Ablässe verschwenden.