Abartiges


Ich habe letztens mal wieder in einem Klappentext gelesen, dass das nämliche Buch auf der Kandidatenliste irgend eines Preises stand.

Es gibt doch heutzutage schon genug Literatur- und Buchpreise. Ist es da nötig, dass zu jedem noch eine Longlist, eine Shortlist und eine Kandidatenliste veröffentlicht wird? Lassen sich Bücher nur noch verkaufen, wenn ihnen der Geruch der Preiswürdigkeit anhängt? Lassen die Leser Bücher links liegen, die nicht irgendwann mal im Zusammenhang mit irgendeinem Preis erwähnt wurden? Oder ist es nur eine Selbstbeweihräucherung der Bucherzeugungs-, -produktions- und -vertriebsmaschinerie?

Ich wurde und werde immer wieder und immer häufiger von preisträchtigen Büchern enttäuscht. Somit haben für mich die Listen eher den Mehrwert, zu zeigen, was ich nicht lesen sollte.

Daher sollte ich um noch mehr Preise und Listen bitten, um den Dschungel der (Neu)Veröffentlichen besser auszuholzen. Oder macht einen Preis, der nicht mit einem Preis gewürdigten Bücher. Dem würde ich sofort vertrauen.

Ich war schon wieder in der letztens erwähnten Buchhandlung. Ich bin wohl ein hoffnungsloser Optimist. 

Und diesmal war es noch erstaunlicher. Da ich mir das zu lange Suchen ersparen wollte, habe ich nur kurz in ein paar Regalen nachgeschaut und bin dann gezielt auf eine der Fachkräfte zugegangen. Ich gab ihr eine Liste mit den von mir gesuchten Werken. Und dann geschah das Wunderbare. Als sie selbst auf eines der Regale zueilen wollte, erwähnte ich, dass ich da selbst schon erfolglos nachgeschaut hätte. Da warf sie einen zweiten Blick auf den Zettel und versicherte mir, dass sie die Werke dann wohl nicht da hätten. Meine Nachfrage, ob die Bücher denn eventuell auf Lager wären, wurde sofort verneint. Sofort! Ohne Konsultation des Computers! Bewundernswert das Gedächtnis dieser Fachkräfte. Den ganzen Lagerbestand! Ich bin immer noch fasziniert. 

Als ich dann auf meiner fortgesetzten Suche noch einen anderen Buchladen konsultierte, wurde dort noch ganz konventionell der Computer befragt. Irgendwie altmodisch. Aber trotzdem habe ich mich da als Kunde nicht als Störfaktor gefühlt. Ich bin wohl auch altmodisch.  

Das NZZ Folio Heft vom August 2017 hat Bibliotheken zum Thema. Ein Artikel beschreibt eine in meinen Augen perverse Form von Büchersammler. Ein ehemaliger Investmentbänker stellt für viel Geld Bibliotheken für seine reichen Kunden zusammen. Bibliotheken, die letztendlich Prestige- oder Schmuckfunktion erfüllen. Schade um die Bücher. Bunte Kartons und in Leder gebundene Holzklötze würden für diese Leute den gleichen Zweck erfüllen.

Das einzig wahre Mittel gegen Bullshit ist Wissen. Wissen um die Methoden der Bullshitter.

Das Buch „Glauben Sie nicht jeden Bullshit. Wie Sie mentale Verführer durchschauen“ von Stephen Law versucht, die wichtigsten Methoden von Esoterikern, Verschwörungstheoretikern und Vertretern der verschiedensten Religionen aufzudecken und dem Leser geeignete Gegenmittel in die Hand zu geben.

Das ganze Spektrum von der Mysterienkarte, über „Aber es passt!“ und „Ich weiß es einfach!“ bis zu Pseudotiefgründigkeit und Anekdotensammlung wird dabei abgedeckt. Law ist sehr gründlich, und  das macht das Lesen teilweise mühsam. Der gesammelte Schwachsinn der Bullshitter ist so konzentriert nur schwer zu ertragen. Aber wenn man es schafft durchzuhalten, ist der rhetorische Werkzeugkasten für die nächste Diskussion mit neuen, mächtigen Werkzeugen ergänzt worden.

P.S. Law verweißt im Kapitel über die Pseudotiefgründigkeit auf den Postmodernism Generator. Dieser ist in der Lage, ein wunderbar tiefgründiges und trotzdem sinnentleertes Essay mit Querverweisen und allem Drum und Dran zu generieren. Nur, falls man mal wieder sowas schreiben muss. 😉

Ich bin ja der Meinung, es ist immer am Besten, auf die Quellen zurückzugreifen, als nur Sekundärliteratur zu lesen. Also habe ich mir mal Luthers 95 Thesen angetan (in einer neuen Übersetzung und mit einem lesenswerten Nachwort versehen von Karl-Heinz Göttert).

Naja, so toll sind die Thesen ja nicht. Und Göttert weißt auch deutlich darauf hin, dass die Reformation durch die Schriften, die auf die Thesen folgten, und weniger durch die Thesen selbst ausgelöst wurde. In den Thesen geht es fast ausschließlich um den Ablasshandel. Aber weniger darum, ihn zu verbieten, als ihn zu verbessern und „richtig“ zu machen. Buße ist das Stichwort. Man muss Büßen und Leiden, dann wird Gott Gnade walten lassen. Hauptsache Büßen und Leiden. Auf das Geld kann man dann verzichten. Auf den Ablass dann eigentlich auch. Egal, der Papst hat immer Recht. Was für ein Geschwurbel!

Aber wie sagt man so schön. Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. These 46 ist sogar fast sympathisch:

Man soll den Christen sagen: Wer nicht gerade im Überfluss lebt, soll alles Notwendige für sein Hauswesen behalten und keinesfalls für Ablässe verschwenden.

Ich war mal wieder in einer deutschen Buchhandlung. Das war keine gute Idee. Aber irgendwie zieht es mich doch immer wieder hinein.

Beim Betreten ließ ich die Bestseller- und Das-ist-neu-und-super-Tische gleich links liegen. Da ist sowieso nichts für mich zu holen. Beruflich bedingt schaue ich bei den Naturwissenschaften vorbei. Da stehen auf zwei Regale gedrängt Biologie, Physik, Astronomie etc. Überwiegend Sach-, kaum Fachbücher. Schräg gegenüber bekommt dafür die Religion fast den halben Raum spendiert. Aufgrund der Nachfrage oder ist das ein Zeichen unserer Zeit?

Noch einen Blick zur Science Fiction und Fantasy. Nichts was ich sofort haben muss. Aber ein interessantes Kundengespräch in der Nachbarabteilung aufgeschnappt (nur inhaltlich wiedergegeben):
Kunde: Ich suche was leichtes für den Urlaub am Strand. Würde sich das Buch hier eignen?
Händler: Ich habe es nicht gelesen, aber es passt ganz bestimmt. Es ist wunderbar leicht und sehr unterhaltsam. Das ist genau das, was Sie im Urlaub lesen wollen.

Da mag sich niemand wundern, warum ich mich nicht mehr beraten lasse.

Ein kurzer Blick zu den Klassikern, Geschichte, Philosophie. Auch nichts für mich.

Früher konnte ich keinen Buchladen verlassen, ohne nicht mindestens ein Buch gekauft zu haben. Heutzutage schwanke ich zwischen Enttäuschung und Entsetzen, wenn sich die Tür wieder hinter mir schließt. Es ist wahrlich keine Freude mehr, diese Hochburgen des Kitsch, der Glückwunschkarten und der sanften Urlaubslektüre zu betreten. Nee, wirklich nicht.

Ich glaube, ich bestelle mir jetzt was bei Amazon.

 

Ich lerne ja immer gern dazu und möchte meinen Blog verbessern. Daher besuche ich von Zeit zu Zeit die Topliste der deutschen Buchblogger und schaue mir die Top-Favoriten bzw. die besonders schnellen Aufsteiger an. Und da fällt mir immer wieder auf, dass die Blogs mit Bildern nur so gespickt sind. Zum Beispiel enthalten die Rezensionen Bilder des Buches von vorn, von hinten, von oben, etwas necksich von der Seite und eventuell noch mit einem Kuscheltier. Dazu viel bunt und möglichst auffällig.

Um es aber mal klar zu sagen, es geht dabei nicht um Bilderbücher. Warum kann ein Blog, bzw. um es noch einmal zu betonen ein Bücher-Blog, nicht allein mit Text erfolgreich werden. Geht es in den Rezensionen, Bewertungen und anderen Blog-Artikeln nicht um die Vermittlung von Informationen? Sind die Blog-Besucher keine Leser? Leser von Lesen, nicht Gucken.

Ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob ich, um mehr Leute anzuziehen, mehr Bildchen zwischen meine Texte streuen sollte. Aber das wäre dann nicht mehr mein Blog. Das wäre nicht ich.

Ich freue mich also über Jeden, der sich hierher verirrt und liest. Gucker folgen bitte diesem Link.

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