Abartiges


Ich lerne ja immer gern dazu und möchte meinen Blog verbessern. Daher besuche ich von Zeit zu Zeit die Topliste der deutschen Buchblogger und schaue mir die Top-Favoriten bzw. die besonders schnellen Aufsteiger an. Und da fällt mir immer wieder auf, dass die Blogs mit Bildern nur so gespickt sind. Zum Beispiel enthalten die Rezensionen Bilder des Buches von vorn, von hinten, von oben, etwas necksich von der Seite und eventuell noch mit einem Kuscheltier. Dazu viel bunt und möglichst auffällig.

Um es aber mal klar zu sagen, es geht dabei nicht um Bilderbücher. Warum kann ein Blog, bzw. um es noch einmal zu betonen ein Bücher-Blog, nicht allein mit Text erfolgreich werden. Geht es in den Rezensionen, Bewertungen und anderen Blog-Artikeln nicht um die Vermittlung von Informationen? Sind die Blog-Besucher keine Leser? Leser von Lesen, nicht Gucken.

Ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob ich, um mehr Leute anzuziehen, mehr Bildchen zwischen meine Texte streuen sollte. Aber das wäre dann nicht mehr mein Blog. Das wäre nicht ich.

Ich freue mich also über Jeden, der sich hierher verirrt und liest. Gucker folgen bitte diesem Link.

2016 war ein wirklich gutes Lesejahr. Die Augenoperation letztes Jahr hat sich vor allem auf das Lesen äußerst positiv ausgewirkt. Ich konnte dieses Jahr 113 Bücher mit insgesamt 37’005 Seiten lesen. Von allem war etwas dabei – Klassiker, Science Fiction, Fantasy, Krimis, Sachbücher. Und nur wenige qualitative Ausreißer.

2017 kann kommen. Ich werde unter anderem mal wieder an einem Lesewettbewerb teilnehmen. Das Klassiker-Forum forderte seine Mitglieder auf, Leselisten klassischer Werke zu erstellen, die gelesen und vor allem rezensiert werden sollen. Ich bin mit einer Mittelalter- und einer Sachbuchliste dabei.

Es ist mal wieder soweit. Die Welt steht vor den Untergang. Und diesmal sind die Bücher daran Schuld. Und um die Menschen davor zu schützen, werden Trigger-Warnungen gefordert. Wirklich? Sind wir mit dieser $%&#*+ political correctness nun schon soweit gekommen? Kant hatte das damals mit dem Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit aber anders im Sinn. Sollte Bradbury mit „Fahrenheit 451“ doch irgendwann Recht behalten?

Dieser Beitrag enthält neben Buchstaben und Satzeichen jede Menge Wut und Unverständnis.

Nachtrag 1: Was ist eigentlich mit meinen Gefühlen? Die Dummheit solcher Leute verletzt meine Gefühle. Wo bleibt da die Trigger-Warnung?

Nachtrag 2: Political correctness löst keine Probleme. Sie verdeckt oder verschlimmert das Problem bzw. erzeugt neue.

„Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise“ von Tuvia Tenenbom ist ein sehr verwirrendes Buch. Ein amerikanischer Journalist macht sich auf den Weg, Deutschland zu erkunden. Was er dabei entdeckt, hat nur bedingt mit dem Deutschland zu tun, wie ich es kenne. Tenenbom interviewt Politiker, Medienschaffende, Wirtschaftsbosse, religiöse Führer und spricht oft mit dem „einfachen Mann von der Straße“. Dabei schlagen ihm Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Ignoranz und Dummheit entgegen. Ich mag dabei Tenenboms Art, bei der ersten Antwort bzw. Nichtantwort nicht aufzugeben. Er fragt und fragt und fragt. Bis der Befragte die Maske entnervt fallen lässt. Einige Textstücke erscheinen leider nur in der amerikanischen und nicht in der
deutschen Buchversion. Warum reißen die Leute die Klappe auf, sind dann aber zu feige, zu dem zu stehen, was sie sagten?

Ich mag Bücher dieser Art, diese Form von Außenansicht. Tenenboms Bücher über Amerika und über Israel sind schon vorgemerkt.

Ich lese gerade „Übers Eis“ von Peter Kurzeck. Der Stil des Buches hat was Getriebenes. Kurze Hauptsätze. Oft fehlen die (Hilfs)Verben. Man gewöhnt sich im Laufe der Lektüre daran, und es zeigt sich, daß der Inhalt mit dieser Form gut korrespondiert.

Die Frage ist nur, warum Rezensenten, Kritiker, etc., sobald ein Autor von der Schulgrammatik abweicht, sofort den Vergleich mit Joyce und Schmidt bemühen. Gibt es keine andere vergleichbare Literatur? Sind die Rezensenten beschränkt und kennen niemand anderen als Joyce und Schmidt?  Sind die Leser beschränkt, und die Rezensenten wollen diese nicht überfordern?

Kurzeck ist nicht der erste Autor, bei dem mir diese Joyce-Schmidt-Keule auffällt. Aber so langsam nervt es!

Bitte, werte Rezensenten und Kritiker, seit kreativer und haltet Eure Leser nicht für dumm.

Ich hatte ja kürzlich festgestellt, daß  eBooks aus der Maigret-Reihe nicht mehr bei Amazon zu bekommen sind.

Das Problem ist schlimmer, als ich dachte. Freundlicher Weise habe ich auf meine Anfrage beim Diogenes Verlag eine Antwort bekommen. Und die wird Euch nicht gefallen.

Der Diogenes Verlag hat die deutschsprachigen Rechte für alle Romane von George Simenon (nicht nur den Maigret) an die Urheber per 31. August 2016 zurückgegeben. Und darf damit die Bücher nicht weiter verkaufen.

Ich frage mich, was da hinter den Kulissen abgegangen ist. Der Urheber hat die Rechte wohl kaum zurückgefordert, weil der Diogenes Verlag keinen Profit damit erwirtschaftet hat. Die Neuauflagen waren in meinen Augen sehr gut gemacht und ließen sich bestimmt auch gut verkaufen (inklusive eBooks und Hörbücher). Das klingt doch nach einem Urheber, der den Hals nicht vollbekommen kann. Ist Gier eigentlich strafbar?

Ich bin jedenfalls stinksauer!

Der Bibliomane auf Reisen folgt natürlich auch unterwegs seinen Bedürfnissen. Der Besuch einer Bibliothek gehört auf alle Fälle dazu. Diesmal verschlug es mich in die Stiftsbibliothek St. Gallen.

Berühmt ist sie hauptsächlich wegen ihres Barocksaales. Und genau das ist das Dilemma. Während der Führung wird auf die Deckengemälde, Heiligenbilder, Regale etc. verwiesen. Ja, aber, wir sind doch in einer Bibliothek. Was ist mit den Büchern? Da guckt außer Typen wir mir keiner hin. Die berühmten, wertvollen Werke sind da nicht zu finden. Das da ist eher Füllmaterial. Ich habe sogar eine Hegel-Ausgabe ausmachen können (lesen Mönche Hegel?).

Zum Glück ist da auch immer eine Sonderausstellung in den Vitrinen. Diesmal ging es um „Abracadabra – Medizin im Mittelalter“. Da schlug mein Herz schon höher.

Touristen sind wie überall auch hier das Übel. Zum Glück waren wir zeitig genug da. Aber als sich im Laufe der Zeit der Saal füllte, stand der Otto-Normal-Duchschnittstourist fasziniert zur bemalten Decke glotzend dem in die Vitrinen Schauenden jederzeit im Wege.

Ach, und noch eine Beobachtung. Auf Fotos wirkt der Saal viel größer als er letztenendes wirklich ist.

Trotz der Touristen und der nur eingeschränkten Möglichkeiten, die wirklich kostbaren Werke zu sehen, ist ein Besuch empfehlenswert.

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