Bibliomanes


Ich lerne ja immer gern dazu und möchte meinen Blog verbessern. Daher besuche ich von Zeit zu Zeit die Topliste der deutschen Buchblogger und schaue mir die Top-Favoriten bzw. die besonders schnellen Aufsteiger an. Und da fällt mir immer wieder auf, dass die Blogs mit Bildern nur so gespickt sind. Zum Beispiel enthalten die Rezensionen Bilder des Buches von vorn, von hinten, von oben, etwas necksich von der Seite und eventuell noch mit einem Kuscheltier. Dazu viel bunt und möglichst auffällig.

Um es aber mal klar zu sagen, es geht dabei nicht um Bilderbücher. Warum kann ein Blog, bzw. um es noch einmal zu betonen ein Bücher-Blog, nicht allein mit Text erfolgreich werden. Geht es in den Rezensionen, Bewertungen und anderen Blog-Artikeln nicht um die Vermittlung von Informationen? Sind die Blog-Besucher keine Leser? Leser von Lesen, nicht Gucken.

Ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob ich, um mehr Leute anzuziehen, mehr Bildchen zwischen meine Texte streuen sollte. Aber das wäre dann nicht mehr mein Blog. Das wäre nicht ich.

Ich freue mich also über Jeden, der sich hierher verirrt und liest. Gucker folgen bitte diesem Link.

Werte Verlage,

falls ihr plant, eine Werkausgabe herauszugeben, seid doch bitte so nett, sie auch zu beenden (wenn möglich, zu Lebzeiten der Leser).

Der Mattes-Verlag hatte begonnen die Werke von Johann Karl Wezel herauszubringen. Das ist nun schon eine Weile her und der Verlag stellt sich bei Anfragen tot.

Der Deutsche Klassiker-Verlag hatte eine Wieland-Ausgabe begonnen. Nach dem Tod von Siegfried Unseld ist der DKV im Stammhaus Suhrkamp offenbar nicht mehr von Interesse. Die bestehenden Bände werden verramscht, und neue kommen nicht mehr hinzu.

Ach übrigens, de Gruyter, Preise von 200-300 Euro pro Band dürften selbst für die meisten Bibliotheken zu hoch sein. Also wer soll Eure Wieland-Ausgabe kaufen? Leser erreicht man so auch nicht.

Nicht noch einer! mag mancher von Euch denken. Doch! Das ist noch ein Leipziger Buchmessenreport (Yet Another Leipzig Book Fair Report). Mein ganz persönlicher.

Ich war ja das erste mal zu dieser Messe. Neuvorstellungen, Lesungen, Podiumsdiskussionen waren dabei nicht mein Ziel. Ich wollte einfach nur den gesamtheitlichen Eindruck der Messe erleben. Und ja, es hat mir gefallen. Auch die nackten Hasen war kein Problem (obwohl die MangaComicCon in Halle 1 für mich wenig Interessantes bot; bin wohl zu alt dafür 😉 ).

Ansonsten habe ich bei Diogenes meine Beschwerde über die Einstellung der Maigret-Reihe abladen können. Wobei ich wohl nicht der Einzige war. Zur selben Zeit hat noch ein anderer Leser genau das selbe Problem angesprochen. Am Stand der Arno-Schmidt-Stiftung hatte ich ein sehr aufschlussreiches Gespräch über die Digitale Edition und andere zukünftige Veröffentlichungen (P.H. muss da wohl irgendwas falsch machen). Mit den Pirckheimern hatte ich einen netten Plausch und bin, da deren Stand mir im Weg lag, gleich noch Mitglied beim Leipziger Bibliophilen Abend e.V. geworden. Die Antiquariatsmesse verließ ich mit einem 300 Jahre alten Helden- und Heldinnenlexicon. Und mein Blick in aktuelle Physikschulbücher ließ mich wie immer entsetzt zurückweichen. Wenigsten hatte ich bei der Gelegenheit ein interessantes Gespräch mit einem Lehrer im Ruhestand, dem es offensichtlich genauso erging.

Nicht zu vergessen natürlich das Treffen mit ein paar anderen Literaturschockern. Es ist immer wieder schön, einen Namen mit einem Gesicht verknüpfen zu können.

Unterkunft (mit kostenlosem Shuttleservice), Verpflegung etc. war alles wie man es sich wünscht.

Leipzig, Du musst damit rechen, dass ich wiederkommen werde.

Ich lebe unter sehr vielen Büchern und beziehe einen großen Teil meiner Lebenslust daraus, dass ich die meisten von ihnen noch lesen werde.

Elias Canetti in „Aufzeichnungen 1973-1984“

Der Wallstein-Verlag hat seit letztem Jahr eine Werkausgabe von Anton Kuh im Angebot. Da ich Werkausgaben mag, aber von diesem Anton Kuh nie gehört habe, versuchte ich es erst einmal mit einer etwas kürzeren Ausgabe (Luftlinien: Die besten Essays, Glossen und Feuilletons). Was sich als gute Entscheidung herausgestellt hat.

Anton Kuh war ein österreichischer Autor und Journalist zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Einige wenige der Texte haben mir gut gefallen. Sie hatten den typischen Wiener Schmäh. Aber viele Texte sind nur verständlich im damaligen historischen Kontext. Viele der genannten Personen kennt heute niemand mehr. Außerdem ist vieles recht holprig und sprunghaft. Da lese ich doch lieber Peter Altenberg oder Alfred Polgar.

Berühmt wurde Kuh durch eine Rede gegen Karl Kraus („Der Affe Zarathustras“). Seine Polemik gegen Kraus ist meiner Meinung nach unreif und an den Haaren herbeigezogen. Und sein Verdikt, daß Kraus als Autor schnell vergessen werden würde, hat Kuh ja letztendlich selbst getroffen. Was kein großer Verlust ist.

Also eine Werkausgabe die nicht den Weg in meine Bibliothek finden wird.

2016 war ein wirklich gutes Lesejahr. Die Augenoperation letztes Jahr hat sich vor allem auf das Lesen äußerst positiv ausgewirkt. Ich konnte dieses Jahr 113 Bücher mit insgesamt 37’005 Seiten lesen. Von allem war etwas dabei – Klassiker, Science Fiction, Fantasy, Krimis, Sachbücher. Und nur wenige qualitative Ausreißer.

2017 kann kommen. Ich werde unter anderem mal wieder an einem Lesewettbewerb teilnehmen. Das Klassiker-Forum forderte seine Mitglieder auf, Leselisten klassischer Werke zu erstellen, die gelesen und vor allem rezensiert werden sollen. Ich bin mit einer Mittelalter- und einer Sachbuchliste dabei.

Dr. Cäsar Flaischlen hat Ende des 19. Jahrhunderts versucht, die Geschichte der deutschen Literatur und den Einfluß der fremden Literaturen auf deren Verlauf zu visualisieren. Herausgekommen ist dabei die Graphische Litteratur-Tafel. Ein anschwellender Fluss mit vielen größeren und kleineren Nebenflüssen. Eine wunderschöne Grafik, die es Wert ist, wiederentdeckt zu werden.

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