Bibliomanes


Ich kaufe ja Bücher nicht, weil ich sie alle benötige, sondern weil ich mir ausmale, wie herrlich es sein wird, sie demnächst – sagen wir: eines Tages, zu lesen.

Durs Grünbein in „Die beste Buchhandlung der Welt“, S. 101f.

Ich gehe kaum noch in Buchhandlungen. Aus gutem Grund. Daher habe ich auch keine Lieblingsbuchhandlung. Als Kind und Teenager war das anders. Aber diese Buchhandlungen gibt es schon lange nicht mehr. Leider!

Im Börsenblatt gibt es eine Kolumne, in der Schriftsteller über ihre Lieblingsbuchhandlung schreiben. Holger Heimann hat als Herausgeber ein paar der Beiträge zu dem Buch Die beste Buchhandlung der Welt: Wo Schriftsteller ihre Bücher kaufen“ zusammengefasst. Kurzweilig und amüsant! Die Lektüre macht Lust, genau diese Buchhandlungen zu suchen und aufzusuchen.

Das NZZ Folio Heft vom August 2017 hat Bibliotheken zum Thema. Ein Artikel beschreibt eine in meinen Augen perverse Form von Büchersammler. Ein ehemaliger Investmentbänker stellt für viel Geld Bibliotheken für seine reichen Kunden zusammen. Bibliotheken, die letztendlich Prestige- oder Schmuckfunktion erfüllen. Schade um die Bücher. Bunte Kartons und in Leder gebundene Holzklötze würden für diese Leute den gleichen Zweck erfüllen.

Vor fast einem Jahr musste ich hier ja leider verkünden, dass Diogenes Simenons Werke nicht weiter verlegt, da sie die Rechte verloren hatten.

Nun endlich wissen wir, wie es weitergeht. Der neu gegründete Kampa-Verlag ist der neue Eigentümer der deutschsprachigen Rechte. Hier findet sich ein Interview mit Daniel Kampa. Und hier gibt es noch etwas mehr Hintergrund.

Ich war mal wieder in einer deutschen Buchhandlung. Das war keine gute Idee. Aber irgendwie zieht es mich doch immer wieder hinein.

Beim Betreten ließ ich die Bestseller- und Das-ist-neu-und-super-Tische gleich links liegen. Da ist sowieso nichts für mich zu holen. Beruflich bedingt schaue ich bei den Naturwissenschaften vorbei. Da stehen auf zwei Regale gedrängt Biologie, Physik, Astronomie etc. Überwiegend Sach-, kaum Fachbücher. Schräg gegenüber bekommt dafür die Religion fast den halben Raum spendiert. Aufgrund der Nachfrage oder ist das ein Zeichen unserer Zeit?

Noch einen Blick zur Science Fiction und Fantasy. Nichts was ich sofort haben muss. Aber ein interessantes Kundengespräch in der Nachbarabteilung aufgeschnappt (nur inhaltlich wiedergegeben):
Kunde: Ich suche was leichtes für den Urlaub am Strand. Würde sich das Buch hier eignen?
Händler: Ich habe es nicht gelesen, aber es passt ganz bestimmt. Es ist wunderbar leicht und sehr unterhaltsam. Das ist genau das, was Sie im Urlaub lesen wollen.

Da mag sich niemand wundern, warum ich mich nicht mehr beraten lasse.

Ein kurzer Blick zu den Klassikern, Geschichte, Philosophie. Auch nichts für mich.

Früher konnte ich keinen Buchladen verlassen, ohne nicht mindestens ein Buch gekauft zu haben. Heutzutage schwanke ich zwischen Enttäuschung und Entsetzen, wenn sich die Tür wieder hinter mir schließt. Es ist wahrlich keine Freude mehr, diese Hochburgen des Kitsch, der Glückwunschkarten und der sanften Urlaubslektüre zu betreten. Nee, wirklich nicht.

Ich glaube, ich bestelle mir jetzt was bei Amazon.

 

Ich lerne ja immer gern dazu und möchte meinen Blog verbessern. Daher besuche ich von Zeit zu Zeit die Topliste der deutschen Buchblogger und schaue mir die Top-Favoriten bzw. die besonders schnellen Aufsteiger an. Und da fällt mir immer wieder auf, dass die Blogs mit Bildern nur so gespickt sind. Zum Beispiel enthalten die Rezensionen Bilder des Buches von vorn, von hinten, von oben, etwas necksich von der Seite und eventuell noch mit einem Kuscheltier. Dazu viel bunt und möglichst auffällig.

Um es aber mal klar zu sagen, es geht dabei nicht um Bilderbücher. Warum kann ein Blog, bzw. um es noch einmal zu betonen ein Bücher-Blog, nicht allein mit Text erfolgreich werden. Geht es in den Rezensionen, Bewertungen und anderen Blog-Artikeln nicht um die Vermittlung von Informationen? Sind die Blog-Besucher keine Leser? Leser von Lesen, nicht Gucken.

Ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob ich, um mehr Leute anzuziehen, mehr Bildchen zwischen meine Texte streuen sollte. Aber das wäre dann nicht mehr mein Blog. Das wäre nicht ich.

Ich freue mich also über Jeden, der sich hierher verirrt und liest. Gucker folgen bitte diesem Link.

Werte Verlage,

falls ihr plant, eine Werkausgabe herauszugeben, seid doch bitte so nett, sie auch zu beenden (wenn möglich, zu Lebzeiten der Leser).

Der Mattes-Verlag hatte begonnen die Werke von Johann Karl Wezel herauszubringen. Das ist nun schon eine Weile her und der Verlag stellt sich bei Anfragen tot.

Der Deutsche Klassiker-Verlag hatte eine Wieland-Ausgabe begonnen. Nach dem Tod von Siegfried Unseld ist der DKV im Stammhaus Suhrkamp offenbar nicht mehr von Interesse. Die bestehenden Bände werden verramscht, und neue kommen nicht mehr hinzu.

Ach übrigens, de Gruyter, Preise von 200-300 Euro pro Band dürften selbst für die meisten Bibliotheken zu hoch sein. Also wer soll Eure Wieland-Ausgabe kaufen? Leser erreicht man so auch nicht.

Nächste Seite »