Gelesenes


Den Film „Fear and Loathing in Las Vegas“ kennen sicher einige. Er basiert auf einer Reportage von Hunter S. Thompson. Und da Thompson gerade einen runden Geburtstag hätte absolvieren können, war es an der Zeit, mal etwas von ihm zu lesen.

Meine Wahl fiel auf Gonzo Generation: Das Beste der Gonzo-Papers“. Das ist eine Sammlung von journalistischen Artikeln von Thompson. Manches davon ist unlesbar. Andererseits finden sich in dieser Sammlung aber auch wirklich sehr klar geschriebene, hoch interessante Artikel. Wie zum Beispiel den über die ersten Hippies in San Francisco (veröffentlicht 1967).

Sehr schön ist auch, wie Thompson immer wieder über die amerikanischen Präsidenten herzieht. Es klingt alles sehr vertraut. Es scheint, als hätten die Amerikaner kein gutes Händchen bei der Wahl ihrer Staatsoberhäupter.

Gegenwärtig lese ich Der Gallische Krieg: Geschichte und Täuschung in Caesars Meisterwerk“ von Markus Schauer. Da ich keinen Latein-Unterricht hatte, musste/durfte ich mich nie näher mit Caesars „Bellum Gallicum“ auseinandersetzen. Doch macht mir diese gegenwärtige Lektüre große Lust, es doch mal mit dem ollen Caesar zu versuchen (natürlich in einer Übersetzung). Schauer analysiert sehr detailliert Caesars Werk bezüglich der Gattungsgeschichte, des Aufbaus, der angestrebten Wirkung und der dazu verwendeten Mittel. Es ist erstaunlich, was man über den Inhalt hinaus durch diese Analyse so alles erfährt.

Martin Moder steht nicht nur auf der Bühne, sondern hat auch ein Buch geschrieben.

„Treffen sich zwei Moleküle im Labor“ ist ein gut zu lesender Einblick in die Welt der Molekularbiologie. Wobei der Rahmen des Buches von Hirnamputation an Fruchtfliegen über synthetische Döner bis zu den Horden Dschingis Khans sehr weit gefasst ist. Lesenswert. Humorvoll. Informativ.

Harry Graf Kessler (1868-1937) war ein fleißiger Tagebuchschreiber. Ich habe nun Band 2 (1892-1897) von insgesamt 9 gelesen (Band 1 ist noch nicht erschienen).

Ein umfangreiches Vorwort gibt eine Einführung in Kesslers leben und verlinkt die Jahre des Tagebuchs  mit dem allgemeinen Zeitgeschehen. In dem betreffenden Zeitraum macht Kessler eine Weltreise, verrichtet seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger und unternimmt die notwendigen Schritte um Offizier zu werden, ist an der Zeitschrift PAN führend beteiligt und lernt in dem Zusammenhang führende Künstler der Zeit kennen (z.B. Munch, Klinger, Verlaine). Des weiteren ist er in die Rettung des Nietzsche-Archives involviert.

Viele der Einträge enthalten Aufzählungen der Leute, mit denen er an dem Tag zu tun hatte. Längere Einträge spekulieren über Kunstgeschichte, Ästhetik, Theorie der Wirkung von Kunst, Politik und Gesellschaft. Ab und zu erfährt man etwas über seine Lektüre. Was fehlt, sind die sehr persönlichen Gedanken und Gefühle.

Wenn man von den Namenslisten und dem aufreibenden Alltag eines Adligen mal absieht (Ball, Jagd, Ball, Ball, Jagd etc.), bekommt man einen sehr aufschlussreichen Einblick in das Europa am Ende des 19. Jahrhunderts.

Man kann ein Buch verfilmen, ohne das absoluter Schrott dabei herauskommt. Oder man sich ärgert, wenn man erst das Buch gelesen hat und dann den Film sieht.

„84 Charing Cross Road“ von Helene Hanff ist so ein positives Beispiel. Die Verfilmung von 1987 mit Anne Bancroft und Anthony Hopkins trifft wunderbar den Ton des Buches. Ich hätte nicht gedacht, das ein Briefwechsel so verfilmt werden kann.

Eine absolute Empfehlung! Sowohl das Buch als auch der Film.

Hubert Wolf versucht in seinem Buch „Konklave. Die Geheimnisse der Papstwahl“ dem Prozess der Papstwerdung den Schleier des Mystischen zu entreißen. Natürlich kann er dabei nur im Rahmen bekannter Fakten agieren, da der Vatikan nicht gerade bekannt ist, für seine Offenheit.

Wolf geht systematisch darauf ein, wer Papst werden kann, wo und wie die Wahl vonstatten geht, was den Papst überhaupt zum Papst macht und wie geheim die Wahlen wirklich sind. In einem Extrakapitel geht es auch um den Papstrücktritt.

Die Darstellung ist faktenreich und überwiegend präzise. Und es ergibt sich ein Bild der Papstwahlen, das wenig mit dem öffentlich propagierten Mythos zu tun hat. Keine 2000jährige Kontinuität. Kein erhabenes Ritual. Pfaffen sind auch nur Menschen. Über Intrigen, Ränke, Mord und Totschlag zieht sich das Spektrum bis hin zu Lächerlichkeit und Absurdität.

Das Buch sollte unbedingt gelesen werden.

Nach „Direktor Beerta“, den man wirklich empfehlen kann, bleibe ich weiter im Umkreis der Büroarbeit. Jetzt lese ich den „Büroroman“ von Walter E. Richartz. Ausgehend von den bisher gelesenen Seiten, kann ich einen gewissen Sarkasmus konstatieren.

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