Gelesenes


Jürgen Kaubes Buch „Die Anfänge von Allem“ ist ein Geschichtsbuch der besonderen Art. Die Idee des Autors war, historische Ereignisse zu porträtieren, die (fast) keine archäologischen Spuren hinterlassen haben.

Er beginnt mit der Entwicklung des aufrechten Ganges. Dann geht es weiter mit dem Kochen, dem Sprechen, der Sprache, Kunst und Religion, über Stadt und Staat bis zu Geld und Monogamie (und einigen weiteren hier nicht aufgezählten Themen).

Kaube erläutert jedes Thema äußerst detailliert. Alle Aussagen sind durch Literaturverweise abgesichert (das ergibt ca. 50 Seiten Querverweise). Auch modernste Theorien und Modelle jenseits der wissenschaftlichen Trampelpfade werden erwähnt und oft als die bessere Alternative beschrieben. Und trotz der hohen Informationsdichte ist das Ganze noch gut lesbar.

Für Geschichtsinteressierte eine unbedingte Leseempfehlung.

Der Band „Die Eleganz des Feuilletons: Literarische Kleinode“ herausgegeben von Hildegard Kernmayer und Erhard Schütz führt den Leser in die Welt des Feuilletons. Bekannte deutschsprachige Autoren vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, wie z.B. Egon Erwin Kisch, Alfred Polgar, Ernst Bloch, Daniel Spitzer, analysieren, polemisieren, karikieren in ihren Feuilletons die Herkunft, Struktur, Aufgabe und Wirkung des Feuilletons. Das kurze Bändchen ist kurzweilig zu lesen. Ein Nachwort der Herausgeber gibt den Leser zusätzliche Informationen über die Geschichte und Entwicklung des Feuilletons.

Ich gehe kaum noch in Buchhandlungen. Aus gutem Grund. Daher habe ich auch keine Lieblingsbuchhandlung. Als Kind und Teenager war das anders. Aber diese Buchhandlungen gibt es schon lange nicht mehr. Leider!

Im Börsenblatt gibt es eine Kolumne, in der Schriftsteller über ihre Lieblingsbuchhandlung schreiben. Holger Heimann hat als Herausgeber ein paar der Beiträge zu dem Buch Die beste Buchhandlung der Welt: Wo Schriftsteller ihre Bücher kaufen“ zusammengefasst. Kurzweilig und amüsant! Die Lektüre macht Lust, genau diese Buchhandlungen zu suchen und aufzusuchen.

Das einzig wahre Mittel gegen Bullshit ist Wissen. Wissen um die Methoden der Bullshitter.

Das Buch „Glauben Sie nicht jeden Bullshit. Wie Sie mentale Verführer durchschauen“ von Stephen Law versucht, die wichtigsten Methoden von Esoterikern, Verschwörungstheoretikern und Vertretern der verschiedensten Religionen aufzudecken und dem Leser geeignete Gegenmittel in die Hand zu geben.

Das ganze Spektrum von der Mysterienkarte, über „Aber es passt!“ und „Ich weiß es einfach!“ bis zu Pseudotiefgründigkeit und Anekdotensammlung wird dabei abgedeckt. Law ist sehr gründlich, und  das macht das Lesen teilweise mühsam. Der gesammelte Schwachsinn der Bullshitter ist so konzentriert nur schwer zu ertragen. Aber wenn man es schafft durchzuhalten, ist der rhetorische Werkzeugkasten für die nächste Diskussion mit neuen, mächtigen Werkzeugen ergänzt worden.

P.S. Law verweißt im Kapitel über die Pseudotiefgründigkeit auf den Postmodernism Generator. Dieser ist in der Lage, ein wunderbar tiefgründiges und trotzdem sinnentleertes Essay mit Querverweisen und allem Drum und Dran zu generieren. Nur, falls man mal wieder sowas schreiben muss. 😉

Ich bin ja der Meinung, es ist immer am Besten, auf die Quellen zurückzugreifen, als nur Sekundärliteratur zu lesen. Also habe ich mir mal Luthers 95 Thesen angetan (in einer neuen Übersetzung und mit einem lesenswerten Nachwort versehen von Karl-Heinz Göttert).

Naja, so toll sind die Thesen ja nicht. Und Göttert weißt auch deutlich darauf hin, dass die Reformation durch die Schriften, die auf die Thesen folgten, und weniger durch die Thesen selbst ausgelöst wurde. In den Thesen geht es fast ausschließlich um den Ablasshandel. Aber weniger darum, ihn zu verbieten, als ihn zu verbessern und „richtig“ zu machen. Buße ist das Stichwort. Man muss Büßen und Leiden, dann wird Gott Gnade walten lassen. Hauptsache Büßen und Leiden. Auf das Geld kann man dann verzichten. Auf den Ablass dann eigentlich auch. Egal, der Papst hat immer Recht. Was für ein Geschwurbel!

Aber wie sagt man so schön. Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. These 46 ist sogar fast sympathisch:

Man soll den Christen sagen: Wer nicht gerade im Überfluss lebt, soll alles Notwendige für sein Hauswesen behalten und keinesfalls für Ablässe verschwenden.

Das Hörbuch „Es ist schon ein selbstmörderisches Gewerbe“ präsentiert Arno Schmidt und Hans Wollschläger und ihr Verhältnis in der Tradition der Radioessays von Schmidt.

Auf der Grundlage des Briefwechsels und Auszügen aus beider Werk werden Teile Ihrer Autorenbiographie beleuchtet und die Entwicklung des Verhältnisses dieser außergewöhnlichen Autoren aufgezeichnet.

Das Hörbuch ist leider viel zu kurz geraten. Der sehr unterhaltsame und informative Ritt durch einen Teil der deutschen Literaturgeschichte ist viel zu schnell vorbei. Aber nichtsdestotrotz sollte man sich dieses Hörbuch auf keinen Fall entgehen lassen. Und ob der Kürze kann man es ja auch mehr als einmal hören.

Eine unbedingte Empfehlung!

Den Film „Fear and Loathing in Las Vegas“ kennen sicher einige. Er basiert auf einer Reportage von Hunter S. Thompson. Und da Thompson gerade einen runden Geburtstag hätte absolvieren können, war es an der Zeit, mal etwas von ihm zu lesen.

Meine Wahl fiel auf Gonzo Generation: Das Beste der Gonzo-Papers“. Das ist eine Sammlung von journalistischen Artikeln von Thompson. Manches davon ist unlesbar. Andererseits finden sich in dieser Sammlung aber auch wirklich sehr klar geschriebene, hoch interessante Artikel. Wie zum Beispiel den über die ersten Hippies in San Francisco (veröffentlicht 1967).

Sehr schön ist auch, wie Thompson immer wieder über die amerikanischen Präsidenten herzieht. Es klingt alles sehr vertraut. Es scheint, als hätten die Amerikaner kein gutes Händchen bei der Wahl ihrer Staatsoberhäupter.

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