Literarisches


Wie ich schon bei David Hilberts Biographie hervorhob, ist ein guter Buchtitel ein gutes Lockmittel für Leser. „Der Mann, der die Erde wog“ von Richard von Schirach ist wieder so ein Titel.

Diesmal geht es um Menschen, deren Entdeckungen die Welt veränderten. Es sind überwiegend tragische Schicksale. So erfahren wir u.a. von Boltzmanns Selbstmord, die Tragödie um Max Plancks Sohn Erwin, Cavendishs Menschenscheu und Lew Landaus schrecklichem Unfall. Man erfährt etwas über den Zusammenhang von Nernsts Doktoranden und der Bombardierung Dresdens.

Da ich gerade Hilberts Biographie las, ist die nun etwas andere Sicht auf Göttingen interessant.  Es finden sich des weiteren Biographien von Bunsen, Kirchhoff, Michelson und Oppermann.

Besonders schwer fiel mir die Lektüre von Houtermans‘ Schicksal. Es ist immer wieder entsetzlich, was Menschen sich gegenseitig so antun können.

Alles in allem aber trotzdem eine faszinierende Lektüre.

P.S. Ein besseres wissenschaftliches Lektorat hätte sicher geholfen, Fehler (so ist z.B. auf Seite 137 nicht das Strahlengesetz sondern die Kirchhoffchen Regeln auf der Briefmarke zu sehen) und Ungereimtheiten zu vermeiden.

Reisen bietet große Vorteile, und nichts vermag Vorurteile besser zu überwinden, denn ich gestehe, ich hatte keine so günstige Meinung von Deutschland.

(David Hume)

Rainer Wieland versammelt in seinem Buch Das Buch der Deutschlandreisen: Von den alten Römern zu den Weltenbummlern unserer Zeit“ ein weites Spektrum an Reiseberichten. Beginnend mit Cäsar und Tacitus, über David Hume, Madame de Staël und Stendhal bis zu John F. Kennedy und Andy Warhol (um nur ein paar der bekanntesten zu nennen) reicht die Palette der Autoren. Jeden Bericht setzt Wieland in den zeitlichen und biographischen Kontext. Illustrationen und Fotos lockern die Texte etwas auf.

Es ist interessant zu lesen, wie der Blick von außen sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Wie die Leute über Deutschland dachten und wie sie es wahrnahmen. Was die Reisenden als wichtig erachteten und warum überhaupt sie nach Deutschland kamen.

Eine meiner Lieblingsgeschichten aus dem Buch ist der Bericht von F. Forsyth als Reuters-Korrespondent in Ost-Berlin. Es ist kaum zu glauben, dass das wirklich so passiert ist.

Also Leute, wenn Ihr Reiseliteratur mögt, kann ich Euch das Buch ans Herz legen. Es ist aber ob seiner 1.6 kg als Bettlektüre wenig geeignet. 😉

Daniel Kampa bringt den Maigret nun doch nicht selbst heraus. Die NZZ vermeldet, dass die Taschenbücher und noch einige andere Bände nun bei Hoffmann und Campe erscheinen werden. Hatte Kampa sich mit seinem Projekt übernommen?

Die einen lesen G.R.R. Martins „Ein Lied von Eis und Feuer“. Andere schauen die Fernsehserie „Game of Thrones“. Und dann gab es noch die Gruppe von Leuten, die sich im Oktober 2015 zusammensetzten, um kulturwissenschaftliche Perspektiven von Buch und Show zu diskutieren. Auf Grundlage dieser Diskussionen entstand der Band Die Welt von »Game of Thrones«: Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf George R.R. Martins »A Song of Ice and Fire«“ von Markus May et al. Inhaltlich schlägt er einen weiten Bogen von Politik, Religion und Mythen über die Darstellung von Kindheit und Jugend, Filmmusik und Schwertkämpfen bis zu Computerspielversionen und die Darstellung von Sex und Nacktheit.

Wie es sich für ein deutschsprachiges wissenschaftliches Werk gehört, ist nicht jeder Beitrag leicht und flüssig lesbar. Mancher Beitrag ist sehr nah am Thema, andere berühren es nur peripher. Es ist alles in allem keine leichte Lektüre. Aber ich habe einiges erfahren, das mir so bisher nicht aufgefallen bzw. bewusst war. Und einiges Neues gelernt, wie zum Beispiel über Filmmusik, über das ich mir bisher keine Kopf gemacht habe.

Ja, doch, die Lektüre lohnt sich.

P.S. Einer der Autoren verwies auf ein Musikvideo, welches sehr schön zum Thema passt.

Ich lese gerade den zweiten Teil von J. J. Voskuils Romanzyklus „Das Büro“ – „Schmutzige Hände“. Und wie schon beim ersten Teil bin ich fasziniert, wie der einfache Büroalltag einer volkskundlichen Abteilung den Leser so in den Bann ziehen kann.

Ich habe letztens mal wieder in einem Klappentext gelesen, dass das nämliche Buch auf der Kandidatenliste irgend eines Preises stand.

Es gibt doch heutzutage schon genug Literatur- und Buchpreise. Ist es da nötig, dass zu jedem noch eine Longlist, eine Shortlist und eine Kandidatenliste veröffentlicht wird? Lassen sich Bücher nur noch verkaufen, wenn ihnen der Geruch der Preiswürdigkeit anhängt? Lassen die Leser Bücher links liegen, die nicht irgendwann mal im Zusammenhang mit irgendeinem Preis erwähnt wurden? Oder ist es nur eine Selbstbeweihräucherung der Bucherzeugungs-, -produktions- und -vertriebsmaschinerie?

Ich wurde und werde immer wieder und immer häufiger von preisträchtigen Büchern enttäuscht. Somit haben für mich die Listen eher den Mehrwert, zu zeigen, was ich nicht lesen sollte.

Daher sollte ich um noch mehr Preise und Listen bitten, um den Dschungel der (Neu)Veröffentlichen besser auszuholzen. Oder macht einen Preis, der nicht mit einem Preis gewürdigten Bücher. Dem würde ich sofort vertrauen.

Jürgen Kaubes Buch „Die Anfänge von Allem“ ist ein Geschichtsbuch der besonderen Art. Die Idee des Autors war, historische Ereignisse zu porträtieren, die (fast) keine archäologischen Spuren hinterlassen haben.

Er beginnt mit der Entwicklung des aufrechten Ganges. Dann geht es weiter mit dem Kochen, dem Sprechen, der Sprache, Kunst und Religion, über Stadt und Staat bis zu Geld und Monogamie (und einigen weiteren hier nicht aufgezählten Themen).

Kaube erläutert jedes Thema äußerst detailliert. Alle Aussagen sind durch Literaturverweise abgesichert (das ergibt ca. 50 Seiten Querverweise). Auch modernste Theorien und Modelle jenseits der wissenschaftlichen Trampelpfade werden erwähnt und oft als die bessere Alternative beschrieben. Und trotz der hohen Informationsdichte ist das Ganze noch gut lesbar.

Für Geschichtsinteressierte eine unbedingte Leseempfehlung.

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