Skeptisches


Es ist mal wieder soweit. Die Welt steht vor den Untergang. Und diesmal sind die Bücher daran Schuld. Und um die Menschen davor zu schützen, werden Trigger-Warnungen gefordert. Wirklich? Sind wir mit dieser $%&#*+ political correctness nun schon soweit gekommen? Kant hatte das damals mit dem Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit aber anders im Sinn. Sollte Bradbury mit „Fahrenheit 451“ doch irgendwann Recht behalten?

Dieser Beitrag enthält neben Buchstaben und Satzeichen jede Menge Wut und Unverständnis.

Nachtrag 1: Was ist eigentlich mit meinen Gefühlen? Die Dummheit solcher Leute verletzt meine Gefühle. Wo bleibt da die Trigger-Warnung?

Nachtrag 2: Political correctness löst keine Probleme. Sie verdeckt oder verschlimmert das Problem bzw. erzeugt neue.

Maarten Keulemans Buch „Exit Mundi: Die besten Weltuntergänge“ basiert auf seiner Website gleichen Namens. Und wie der Titel es schon impliziert, geht es um Weltuntergänge. Ausgehend von den ganz großen, bei denen das ganze Universum betroffen ist, bis zu den etwas handlicheren, bei denen es „bloß“ um die Ausrottung des Menschen geht. Big Cruch, Vulkane, Meteoriten, Seuchen. Alles ist vertreten. Sogar die ein wenig spinnerten aus der Eso-Szene hat er nicht außen vor gelassen.
Das Buch liest sich flüssig, ist mit einer gewissen Priese Humor versetzt und, soweit ich es nachvollziehen konnte, fast alles wissenschaftlich korrekt (z.B. beim Chiemgau Impakt ist er leider einer Urban Legend aufgesessen). Also alles in allem ist das Buch unbedingt lesenswert. Man kann sich dann so richtig schön gruseln und fragen, was denn wohl zuerst eintreffen wird.  :breitgrins:

Wer nicht selbst lesen will, kann auch auf eine Lesung von Bela B zurückgreifen.

Das titelgebende Zitat ist aus Rolf Bergmeiers Buch „Christlich-abendländische Kultur – eine Legende„. Der Untertitel „Über die antiken Wurzeln, den verkannten arabischen Beitrag und die Verklärung der Klosterkultur“ gibt die Richtung vor.

Die christlich-abendländische Kultur ist ein beliebtes Schlagwort unserer Politiker. Leider ignorieren sie dabei (bewusst oder unbewusst), dass das Christentum keinen Ausschließlichkeitsanspruch auf einen Beitrag zu unserer Kultur besitzt. Bergmeier hebt deutlich die Anteile der griechisch-römischen Antike und der arabisch-islamischen Welt (wie auch schon Jim al-Khalili) hervor. Zusätzlich verweist er auf die Aufklärung (die aber als solches nicht Teil des Buches ist).

Besonders interessant ist der direkte Vergleich des christlichen Mitteleuropas und der arabisch-islamischen Welt in der Zeit zwischen 700 und 1200. Bildung, Wissensdurst und religiöse Toleranz erlauben der arabischen Welt einen kulturellen Aufschwung, während in Mitteleuropa religiöser Fanatismus und Bildungsverweigerung vorherrschen (Didascalia: „Die Bibel genügt für die Bedürfnisse der Bildung.“)

Des weiteren zeigt Bergmeier sehr deutlich auf, wie es in Europa durch den Einfluss der arabischen Kultur zur Renaissance kommen konnte. Auch das christliche Mitteleuropa konnte sich nicht selbst aus dem finsteren mittelalterlichen Sumpf ziehen. Nur leider werden die arabischen und antiken Helfer gerne unterschlagen.

Wir haben keine christlich-abendliche Kultur. Zum Glück! Wir haben eine Kultur, die sich aus viel mehr Wurzeln speist. Wenn wir das nicht vergessen, wird uns der Kontakt mit Fremden viel leichter fallen.

Ein Frage, die sich aus meiner Lektüre ergab (siehe diesen Beitrag). Warum wird in der Philosophie eigentlich immer alles zitiert, das je zu einem bestimmten Thema gesagt bzw. geschrieben wurde? In der Naturwissenschaft gibt es den aktuellen Stand des Wissens. Der ist unabhängig von irgendwelchen Autoritäten und enthält nicht die Schlacke der vergangenen Jahrhunderte. Das Ergebnis ist kurz, übersichtlich und präzise. Und wer sich doch für die Gedanken der Altvorderen interessiert, wird in der Wissenschaftsgeschichte wohl versorgt.

Man sagt ja, daß junge Wissensgebiete oft noch nicht so weit sind, eine geschlossene Beschreibung vorlegen zu können. Den Vorwurf der Jugend kann man der Philosophie nun aber nicht machen. Ist es eher das Alter? Ist die Philosophie von Demenz oder anderen neurodegenerativen Störungen (im übertragenen Sinne) bedroht?

Sicher kann man mir vorwerfen, dass mir einfach das Verständnis und die Übersicht bezüglich der Philosophie und aller ihrer Teilgebiete und Strömungen fehlen. Aber als Naturwissenschaftler mag ich es nun einmal klar und verständlich. Und komischerweise funktioniert es ja auch in den Naturwissenschaften. Warum nur?

Normalerweise lasse mich mich nur selten zu  einer Rezension hinreißen. Aber Jim al-Khalilis Buch „Im Haus der Weisheit“ hat es verdient, daß ich ein paar Zeilen darüber schreibe. Der Untertitel „Die arabischen Wissenschaften als Fundament unserer Kultur“ umreißt schon klar und deutlich, worum es geht.

al-Khalili beschreibt den Aufstieg der arabischen Wissenschaften im 8. Jahrhundert und den Einfluß, den die antiken Wissenschaften dabei hatten. Er führt den Leser in die Wissenschaftszentren der damaligen Zeit und stellt berühmte und bedeutende Wissenschaftler vor. Wobei berühmt und bedeutend aus unserer europäischen Sichtweise nicht unbedingt immer das selbe sein muß. Auch beschreibt er, wie der Staffelstab an die Europäer in der Renaissance zurückgegeben wurde und danach die Entwicklung im arabischen Raum immer mehr stagnierte. Die Religion hatte wie immer dabei einen unrühmlichen Anteil. Das letzte Kapitel über die heutige Situation ist auch eine Aufforderung an die arabische Welt, sich ihrer Wurzel zu erinnern.

Einige der von al-Khalili genannten Namen hat man schon mal irgendwo gehört oder gelesen (z.B. Ibn Sina, al-Biruni). Aber diese konzentrierte Darstellung und der profunde Überblick über die verschiedensten Fachgebiete (Astronomie, Mathematik, Physik, Medizin, Philosophie) den er in dem Buch liefert, ergeben einen ganz anderen Blick auf die Wissenschaftsgeschichte und den Einfluß der arabischen Wissenschaften auf die europäische Welt.

Das Buch kann ich jedem, der nur ein wenig an Wissenschaftsgeschichte interessiert ist, wärmstens an Herz legen. Es liest sich flüssig, ist spannend, und trotzdem ist es keineswegs oberflächlich. Man merkt dem Ganzen deutlich an, daß die Vermittlung der umfangreichen und detaillierten Informationen al-Khalili ein äußerst wichtiges Anliegen ist.

Mich hat er erreicht. Ich hatte in dem Buch viele Aha-Erlebnisse. Und ich hoffe, daß es noch vielen anderen so gehen wird.

Was unter dem Namen Religion umgeht, ist bestenfalls, wie ich Ihnen in Wien schon sagte, etwas Ähnliches wie Lebertran. Man sagt, es kräftige, aber es ist unangenehm zu schlucken, und es hilft nicht viel.

(Friedrich Glauser „Matto regiert“, S. 106)

Das Giant Knife 2007 von Wenger ist das größte jemals gebaute Taschenmesser.  Naja, mit 1.345 kg ist es wohl kaum noch ein TASCHENmesser… 😉

Als ich den Blogbeitrag bei der GWUP las, dachte ich erst, das ist ein Fake. Aber nein, man kann das Ding wirklich bei Amazon kaufen. Für „nur“ 651.45 €.

Aber noch schöner als das Messer sind die Kommentare auf Amazon. Was es da nicht alles an versteckten Funktionen gibt. 🙂

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