Unterhaltsames


Man kann ein Buch verfilmen, ohne das absoluter Schrott dabei herauskommt. Oder man sich ärgert, wenn man erst das Buch gelesen hat und dann den Film sieht.

„84 Charing Cross Road“ von Helene Hanff ist so ein positives Beispiel. Die Verfilmung von 1987 mit Anne Bancroft und Anthony Hopkins trifft wunderbar den Ton des Buches. Ich hätte nicht gedacht, das ein Briefwechsel so verfilmt werden kann.

Eine absolute Empfehlung! Sowohl das Buch als auch der Film.

Nicht noch einer! mag mancher von Euch denken. Doch! Das ist noch ein Leipziger Buchmessenreport (Yet Another Leipzig Book Fair Report). Mein ganz persönlicher.

Ich war ja das erste mal zu dieser Messe. Neuvorstellungen, Lesungen, Podiumsdiskussionen waren dabei nicht mein Ziel. Ich wollte einfach nur den gesamtheitlichen Eindruck der Messe erleben. Und ja, es hat mir gefallen. Auch die nackten Hasen war kein Problem (obwohl die MangaComicCon in Halle 1 für mich wenig Interessantes bot; bin wohl zu alt dafür 😉 ).

Ansonsten habe ich bei Diogenes meine Beschwerde über die Einstellung der Maigret-Reihe abladen können. Wobei ich wohl nicht der Einzige war. Zur selben Zeit hat noch ein anderer Leser genau das selbe Problem angesprochen. Am Stand der Arno-Schmidt-Stiftung hatte ich ein sehr aufschlussreiches Gespräch über die Digitale Edition und andere zukünftige Veröffentlichungen (P.H. muss da wohl irgendwas falsch machen). Mit den Pirckheimern hatte ich einen netten Plausch und bin, da deren Stand mir im Weg lag, gleich noch Mitglied beim Leipziger Bibliophilen Abend e.V. geworden. Die Antiquariatsmesse verließ ich mit einem 300 Jahre alten Helden- und Heldinnenlexicon. Und mein Blick in aktuelle Physikschulbücher ließ mich wie immer entsetzt zurückweichen. Wenigsten hatte ich bei der Gelegenheit ein interessantes Gespräch mit einem Lehrer im Ruhestand, dem es offensichtlich genauso erging.

Nicht zu vergessen natürlich das Treffen mit ein paar anderen Literaturschockern. Es ist immer wieder schön, einen Namen mit einem Gesicht verknüpfen zu können.

Unterkunft (mit kostenlosem Shuttleservice), Verpflegung etc. war alles wie man es sich wünscht.

Leipzig, Du musst damit rechen, dass ich wiederkommen werde.

Ein lesenswertes Interview mit Max Goldt findet sich in der Zeit. Sehr gut fand ich die Bemerkung: „Weil Rezensenten ihre Rezensionen heute so schreiben, dass sie zu achtzig Prozent aus Inhaltsangaben bestehen. „

Nachdem ich letztens endlich den Ulysses gelesen hatte, folgte nun „Blooms Schatten“ von Reto Hänny. Der Roman ist ein einziger langer Satz, der den Spuren Leopold Blooms folgt. Es ist wie ein Konspekt oder ein Abstrakt zu Joyce. Wirklich lesenswert!

Desweiteren las ich „Als unser Deutsch erfunden wurde: Reise in die Lutherzeit“ von Bruno Preisendörfer. Der Titel hat leider wenig mit dem Inhalt gemein (lieber Verlag, bitte laß das nächste Mal etwas mehr Kreativität bei der Titelauswahl walten). Es geht nicht um die Entwicklung der deutschen Sprache. Es ist eher eine Beschreibung des Lebens in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Kaum ein Thema wird dabei ausgelassen. Wir erfahren da Wissenswertes über Kleidung, Essen, Krankheit, Literatur, Buchherstellung, das Wohnen, Stadt und Land, Adel und Bürger etc. Und oft wird ein Kontext zu Luther hergestellt. Der Autor hat offenbar sehr gründlich gearbeitet. Jedes Zitat ist belegt, und eine lange Liste weiterführender Literatur erlaubt eine Vertiefung des Themas. So mag ich das.

Ihre Bücher gehören nicht zu meinem Lesespektrum. Ich habe noch nie etwas von ihnen gelesen. Aber der Artikel über Iny Klocke und Elmar Wohlrath in der Zeit zeichnet das Bild von zwei Menschen, die ich gerne mal kennenlernen würde. Nicht, weil sie erfolgreich und berühmt sind. Eher, weil sie offenbar interessante und bodenständige Menschen sind, mit denen man sich sicher gut unterhalten kann.

„Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise“ von Tuvia Tenenbom ist ein sehr verwirrendes Buch. Ein amerikanischer Journalist macht sich auf den Weg, Deutschland zu erkunden. Was er dabei entdeckt, hat nur bedingt mit dem Deutschland zu tun, wie ich es kenne. Tenenbom interviewt Politiker, Medienschaffende, Wirtschaftsbosse, religiöse Führer und spricht oft mit dem „einfachen Mann von der Straße“. Dabei schlagen ihm Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Ignoranz und Dummheit entgegen. Ich mag dabei Tenenboms Art, bei der ersten Antwort bzw. Nichtantwort nicht aufzugeben. Er fragt und fragt und fragt. Bis der Befragte die Maske entnervt fallen lässt. Einige Textstücke erscheinen leider nur in der amerikanischen und nicht in der
deutschen Buchversion. Warum reißen die Leute die Klappe auf, sind dann aber zu feige, zu dem zu stehen, was sie sagten?

Ich mag Bücher dieser Art, diese Form von Außenansicht. Tenenboms Bücher über Amerika und über Israel sind schon vorgemerkt.

Die Welt hat sechs (angeblich) unlesbare Romane gelistet. Ich habe keines der Bücher von dieser Liste bisher gelesen. Nur Johnsons Jahrestage habe ich vor ein paar Jahren mal angefangen. Da liegt also noch einiges an Lesearbeit vor mir.

Immerhin habe ich alle gelisteten Bücher in meiner Privatbibliothek vorrätig (manche sogar in mehreren Ausgaben).

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