Unterhaltsames


Ich war schon wieder in der letztens erwähnten Buchhandlung. Ich bin wohl ein hoffnungsloser Optimist. 

Und diesmal war es noch erstaunlicher. Da ich mir das zu lange Suchen ersparen wollte, habe ich nur kurz in ein paar Regalen nachgeschaut und bin dann gezielt auf eine der Fachkräfte zugegangen. Ich gab ihr eine Liste mit den von mir gesuchten Werken. Und dann geschah das Wunderbare. Als sie selbst auf eines der Regale zueilen wollte, erwähnte ich, dass ich da selbst schon erfolglos nachgeschaut hätte. Da warf sie einen zweiten Blick auf den Zettel und versicherte mir, dass sie die Werke dann wohl nicht da hätten. Meine Nachfrage, ob die Bücher denn eventuell auf Lager wären, wurde sofort verneint. Sofort! Ohne Konsultation des Computers! Bewundernswert das Gedächtnis dieser Fachkräfte. Den ganzen Lagerbestand! Ich bin immer noch fasziniert. 

Als ich dann auf meiner fortgesetzten Suche noch einen anderen Buchladen konsultierte, wurde dort noch ganz konventionell der Computer befragt. Irgendwie altmodisch. Aber trotzdem habe ich mich da als Kunde nicht als Störfaktor gefühlt. Ich bin wohl auch altmodisch.  

Das NZZ Folio Heft vom August 2017 hat Bibliotheken zum Thema. Ein Artikel beschreibt eine in meinen Augen perverse Form von Büchersammler. Ein ehemaliger Investmentbänker stellt für viel Geld Bibliotheken für seine reichen Kunden zusammen. Bibliotheken, die letztendlich Prestige- oder Schmuckfunktion erfüllen. Schade um die Bücher. Bunte Kartons und in Leder gebundene Holzklötze würden für diese Leute den gleichen Zweck erfüllen.

Das Hörbuch „Es ist schon ein selbstmörderisches Gewerbe“ präsentiert Arno Schmidt und Hans Wollschläger und ihr Verhältnis in der Tradition der Radioessays von Schmidt.

Auf der Grundlage des Briefwechsels und Auszügen aus beider Werk werden Teile Ihrer Autorenbiographie beleuchtet und die Entwicklung des Verhältnisses dieser außergewöhnlichen Autoren aufgezeichnet.

Das Hörbuch ist leider viel zu kurz geraten. Der sehr unterhaltsame und informative Ritt durch einen Teil der deutschen Literaturgeschichte ist viel zu schnell vorbei. Aber nichtsdestotrotz sollte man sich dieses Hörbuch auf keinen Fall entgehen lassen. Und ob der Kürze kann man es ja auch mehr als einmal hören.

Eine unbedingte Empfehlung!

Man kann ein Buch verfilmen, ohne das absoluter Schrott dabei herauskommt. Oder man sich ärgert, wenn man erst das Buch gelesen hat und dann den Film sieht.

„84 Charing Cross Road“ von Helene Hanff ist so ein positives Beispiel. Die Verfilmung von 1987 mit Anne Bancroft und Anthony Hopkins trifft wunderbar den Ton des Buches. Ich hätte nicht gedacht, das ein Briefwechsel so verfilmt werden kann.

Eine absolute Empfehlung! Sowohl das Buch als auch der Film.

Nicht noch einer! mag mancher von Euch denken. Doch! Das ist noch ein Leipziger Buchmessenreport (Yet Another Leipzig Book Fair Report). Mein ganz persönlicher.

Ich war ja das erste mal zu dieser Messe. Neuvorstellungen, Lesungen, Podiumsdiskussionen waren dabei nicht mein Ziel. Ich wollte einfach nur den gesamtheitlichen Eindruck der Messe erleben. Und ja, es hat mir gefallen. Auch die nackten Hasen war kein Problem (obwohl die MangaComicCon in Halle 1 für mich wenig Interessantes bot; bin wohl zu alt dafür 😉 ).

Ansonsten habe ich bei Diogenes meine Beschwerde über die Einstellung der Maigret-Reihe abladen können. Wobei ich wohl nicht der Einzige war. Zur selben Zeit hat noch ein anderer Leser genau das selbe Problem angesprochen. Am Stand der Arno-Schmidt-Stiftung hatte ich ein sehr aufschlussreiches Gespräch über die Digitale Edition und andere zukünftige Veröffentlichungen (P.H. muss da wohl irgendwas falsch machen). Mit den Pirckheimern hatte ich einen netten Plausch und bin, da deren Stand mir im Weg lag, gleich noch Mitglied beim Leipziger Bibliophilen Abend e.V. geworden. Die Antiquariatsmesse verließ ich mit einem 300 Jahre alten Helden- und Heldinnenlexicon. Und mein Blick in aktuelle Physikschulbücher ließ mich wie immer entsetzt zurückweichen. Wenigsten hatte ich bei der Gelegenheit ein interessantes Gespräch mit einem Lehrer im Ruhestand, dem es offensichtlich genauso erging.

Nicht zu vergessen natürlich das Treffen mit ein paar anderen Literaturschockern. Es ist immer wieder schön, einen Namen mit einem Gesicht verknüpfen zu können.

Unterkunft (mit kostenlosem Shuttleservice), Verpflegung etc. war alles wie man es sich wünscht.

Leipzig, Du musst damit rechen, dass ich wiederkommen werde.

Ein lesenswertes Interview mit Max Goldt findet sich in der Zeit. Sehr gut fand ich die Bemerkung: „Weil Rezensenten ihre Rezensionen heute so schreiben, dass sie zu achtzig Prozent aus Inhaltsangaben bestehen. „

Nachdem ich letztens endlich den Ulysses gelesen hatte, folgte nun „Blooms Schatten“ von Reto Hänny. Der Roman ist ein einziger langer Satz, der den Spuren Leopold Blooms folgt. Es ist wie ein Konspekt oder ein Abstrakt zu Joyce. Wirklich lesenswert!

Desweiteren las ich „Als unser Deutsch erfunden wurde: Reise in die Lutherzeit“ von Bruno Preisendörfer. Der Titel hat leider wenig mit dem Inhalt gemein (lieber Verlag, bitte laß das nächste Mal etwas mehr Kreativität bei der Titelauswahl walten). Es geht nicht um die Entwicklung der deutschen Sprache. Es ist eher eine Beschreibung des Lebens in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Kaum ein Thema wird dabei ausgelassen. Wir erfahren da Wissenswertes über Kleidung, Essen, Krankheit, Literatur, Buchherstellung, das Wohnen, Stadt und Land, Adel und Bürger etc. Und oft wird ein Kontext zu Luther hergestellt. Der Autor hat offenbar sehr gründlich gearbeitet. Jedes Zitat ist belegt, und eine lange Liste weiterführender Literatur erlaubt eine Vertiefung des Themas. So mag ich das.

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