Unterhaltsames


Naja, nicht nur ein Buch, und nicht die ganze Welt. Aber das, um das es hier geht, hat einen herausragenden Platz.

Stephen Greenblatt beschreibt in seinem Buch „Die Wende – Wie die Renaissance begann” die Geschichte von Lukrez‘ „De rerum natura”. Dabei geht er tief ins Detail. Sowohl die Zeit Lukrez und die Philosophie der Epikureer als auch jede Menge Details über den Entdecker der Handschrift – Poggio Bracciolini – und seine Zeit werden beschrieben. Nebenbei erfährt der Leser einiges über antike Buchproduktion und Bibliotheken, mittelalterliche Skriptorien, das abendländische Schisma und das Konstanzer Konzil, die Auseinandersetzung des Christentums mit dem Epikureismus etc.pp.

Es ist eine faszinierende Lektüre. Sehr detailreich und trotzdem gut lesbar. An manchen Stellen spannend wie ein Krimi. Ich kann für das Buch eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen.

Und die oben verlinkte Lukrez-Ausgabe liegt bei mir schon bereit, demnächst gelesen zu werden.

Philipp Blom ist bekannt unter anderem für seine Geschichte der französischen Aufklärung „Böse Philosophen“. Sein aktuelles Buch – „Die Welt aus den Angeln“ – kann teilweise als dessen Vorgeschichte betrachtet werden. Der Untertitel „Eine Geschichte der Kleinen Eiszeit von 1570 bis 1700 sowie der Entstehung der modernen Welt, verbunden mit einigen Überlegungen zum Klima der Gegenwart“ ist ungewöhnlich lang und verweist schon auf die wichtigsten Themen des Buches.

Blom analysiert die aufgrund der kleinen Eiszeit auftretenden Veränderungen der Gesellschaft, der Wirtschaft und des Kriegswesens. Der für mich interessanteste Teil, den man als Vorläufer der Bösen Philosophen betrachten könnte, ist die Geschichte des Geisteslebens. Blom beschreibt die Entwicklung der Ideen von Descartes, Bayle, Spinoza und (weniger bekannt) Vanini und Gassendi.

Im Epilog spekuliert Blom über die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf unsere heutige Gesellschaft auf der Grundlage dessen, was er in den vorhergehenden Kapiteln aus der Geschichte extrahieren konnte.

Natürlich führte diese Lektüre wie immer zu neuen Buchkäufen. Unter anderem Bayles „Verschiedene Gedanken über einen Kometen“ ist darunter. Leider konnte ich von Vanini und Gassendi keine nennenswerten Ausgaben finden.

Das Zitat einer bekannten Autorität schmückt die eigene Aussage ungemein. Und wenn man nichts Passendes zur Hand hat, hilft man etwas nach. Die Medien und das Netz sind voll von falsch zugeordneten und erfundenen Zitaten.

Und darum dreht sich Martin Raspers Buch „»No Sports« hat Churchill nie gesagt: Das Buch der falschen Zitate„. Er hat sich ein paar der bekannteren Zitate ausgewählt und deren Entstehung und Quellen näher untersucht. Dabei hat der Autor gründlich gearbeitet und alle seine Zitate exakt nachgewiesen.

Ein sehr lesenswertes und erhellendes Buch.

P.S. Der Blog „Zitaträtsel“ widmet sich ebenfalls falschen und entstellten Zitaten.

Reisen bietet große Vorteile, und nichts vermag Vorurteile besser zu überwinden, denn ich gestehe, ich hatte keine so günstige Meinung von Deutschland.

(David Hume)

Rainer Wieland versammelt in seinem Buch Das Buch der Deutschlandreisen: Von den alten Römern zu den Weltenbummlern unserer Zeit“ ein weites Spektrum an Reiseberichten. Beginnend mit Cäsar und Tacitus, über David Hume, Madame de Staël und Stendhal bis zu John F. Kennedy und Andy Warhol (um nur ein paar der bekanntesten zu nennen) reicht die Palette der Autoren. Jeden Bericht setzt Wieland in den zeitlichen und biographischen Kontext. Illustrationen und Fotos lockern die Texte etwas auf.

Es ist interessant zu lesen, wie der Blick von außen sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Wie die Leute über Deutschland dachten und wie sie es wahrnahmen. Was die Reisenden als wichtig erachteten und warum überhaupt sie nach Deutschland kamen.

Eine meiner Lieblingsgeschichten aus dem Buch ist der Bericht von F. Forsyth als Reuters-Korrespondent in Ost-Berlin. Es ist kaum zu glauben, dass das wirklich so passiert ist.

Also Leute, wenn Ihr Reiseliteratur mögt, kann ich Euch das Buch ans Herz legen. Es ist aber ob seiner 1.6 kg als Bettlektüre wenig geeignet. 😉

Manche sammeln Bücher. Andere hamstern Bücher. Der hier verlinkte Artikel zählt die 10 berühmtesten Buchhamsterer auf.

Ich habe meine Stapel hier zwar nie durchgezählt, aber ich denke, ich würde da locker im Mittelfeld mithalten können. Ich bin halt nur nicht berühmt. Und das ist gut so.

Ach ja, die liegende Stapelung a la Lagerfeld ist so clever nun auch nicht. Echte Hamsterer nutzen das Prinzip Tetris.

Ich lese gerade den zweiten Teil von J. J. Voskuils Romanzyklus „Das Büro“ – „Schmutzige Hände“. Und wie schon beim ersten Teil bin ich fasziniert, wie der einfache Büroalltag einer volkskundlichen Abteilung den Leser so in den Bann ziehen kann.

Ich war schon wieder in der letztens erwähnten Buchhandlung. Ich bin wohl ein hoffnungsloser Optimist. 

Und diesmal war es noch erstaunlicher. Da ich mir das zu lange Suchen ersparen wollte, habe ich nur kurz in ein paar Regalen nachgeschaut und bin dann gezielt auf eine der Fachkräfte zugegangen. Ich gab ihr eine Liste mit den von mir gesuchten Werken. Und dann geschah das Wunderbare. Als sie selbst auf eines der Regale zueilen wollte, erwähnte ich, dass ich da selbst schon erfolglos nachgeschaut hätte. Da warf sie einen zweiten Blick auf den Zettel und versicherte mir, dass sie die Werke dann wohl nicht da hätten. Meine Nachfrage, ob die Bücher denn eventuell auf Lager wären, wurde sofort verneint. Sofort! Ohne Konsultation des Computers! Bewundernswert das Gedächtnis dieser Fachkräfte. Den ganzen Lagerbestand! Ich bin immer noch fasziniert. 

Als ich dann auf meiner fortgesetzten Suche noch einen anderen Buchladen konsultierte, wurde dort noch ganz konventionell der Computer befragt. Irgendwie altmodisch. Aber trotzdem habe ich mich da als Kunde nicht als Störfaktor gefühlt. Ich bin wohl auch altmodisch.  

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