Wissenschaftliches


Martin Moder steht nicht nur auf der Bühne, sondern hat auch ein Buch geschrieben.

„Treffen sich zwei Moleküle im Labor“ ist ein gut zu lesender Einblick in die Welt der Molekularbiologie. Wobei der Rahmen des Buches von Hirnamputation an Fruchtfliegen über synthetische Döner bis zu den Horden Dschingis Khans sehr weit gefasst ist. Lesenswert. Humorvoll. Informativ.

Ich lese gerade „Die Entstehung des Islam: Die ersten hundert Jahre“ von Lutz Berger. Ich muss zugeben, das Buch ist recht trocken geschrieben. Aber es lohnt sich. 

Berger beschreibt detailliert die politische und religiöse Situation in den Regionen, die der Islam in seiner Frühzeit eroberte, und wie diese Regionen dann übernommen wurden. Dabei wird sehr deutlich, das der Islam sich nicht aufgrund religiöser Vorstellungen bzw. religiöser Vorzüge verbreitete. Es war ganz klar ein politisch, militärischer Vorgang. Interessant ist dabei auch, daß anfangs offenbar eine gewisse religiöse Toleranz gegenüber den anderen Völkergruppen und Glaubensrichtungen vertreten wurde. Natürlich nur, insofern diese sich unterwarfen. Aber das hat mit militärischer Gewalt zu tun und nicht mit Religion!

Berger betont auch immer wieder, wie unvollständig und teilweise widersprüchlich die Quellenlage ist. Diese Ehrlichkeit begegnet einem selten in populärwissenschaftlicher, besonders geisteswissenschaftlicher Literatur.

Alles in allem liefert dieses Buch einen interessanten Beitrag zur Debatte über den Islam.

In dem hier verlinkten Beitrag hat sich mal jemand die Mühe gemacht, physiologisch und chemisch den Geruch von Büchern zu erklären. Interessant und sehr detailliert.

Maarten Keulemans Buch „Exit Mundi: Die besten Weltuntergänge“ basiert auf seiner Website gleichen Namens. Und wie der Titel es schon impliziert, geht es um Weltuntergänge. Ausgehend von den ganz großen, bei denen das ganze Universum betroffen ist, bis zu den etwas handlicheren, bei denen es „bloß“ um die Ausrottung des Menschen geht. Big Cruch, Vulkane, Meteoriten, Seuchen. Alles ist vertreten. Sogar die ein wenig spinnerten aus der Eso-Szene hat er nicht außen vor gelassen.
Das Buch liest sich flüssig, ist mit einer gewissen Priese Humor versetzt und, soweit ich es nachvollziehen konnte, fast alles wissenschaftlich korrekt (z.B. beim Chiemgau Impakt ist er leider einer Urban Legend aufgesessen). Also alles in allem ist das Buch unbedingt lesenswert. Man kann sich dann so richtig schön gruseln und fragen, was denn wohl zuerst eintreffen wird.  :breitgrins:

Wer nicht selbst lesen will, kann auch auf eine Lesung von Bela B zurückgreifen.

Das titelgebende Zitat ist aus Rolf Bergmeiers Buch „Christlich-abendländische Kultur – eine Legende„. Der Untertitel „Über die antiken Wurzeln, den verkannten arabischen Beitrag und die Verklärung der Klosterkultur“ gibt die Richtung vor.

Die christlich-abendländische Kultur ist ein beliebtes Schlagwort unserer Politiker. Leider ignorieren sie dabei (bewusst oder unbewusst), dass das Christentum keinen Ausschließlichkeitsanspruch auf einen Beitrag zu unserer Kultur besitzt. Bergmeier hebt deutlich die Anteile der griechisch-römischen Antike und der arabisch-islamischen Welt (wie auch schon Jim al-Khalili) hervor. Zusätzlich verweist er auf die Aufklärung (die aber als solches nicht Teil des Buches ist).

Besonders interessant ist der direkte Vergleich des christlichen Mitteleuropas und der arabisch-islamischen Welt in der Zeit zwischen 700 und 1200. Bildung, Wissensdurst und religiöse Toleranz erlauben der arabischen Welt einen kulturellen Aufschwung, während in Mitteleuropa religiöser Fanatismus und Bildungsverweigerung vorherrschen (Didascalia: „Die Bibel genügt für die Bedürfnisse der Bildung.“)

Des weiteren zeigt Bergmeier sehr deutlich auf, wie es in Europa durch den Einfluss der arabischen Kultur zur Renaissance kommen konnte. Auch das christliche Mitteleuropa konnte sich nicht selbst aus dem finsteren mittelalterlichen Sumpf ziehen. Nur leider werden die arabischen und antiken Helfer gerne unterschlagen.

Wir haben keine christlich-abendliche Kultur. Zum Glück! Wir haben eine Kultur, die sich aus viel mehr Wurzeln speist. Wenn wir das nicht vergessen, wird uns der Kontakt mit Fremden viel leichter fallen.

Ein Frage, die sich aus meiner Lektüre ergab (siehe diesen Beitrag). Warum wird in der Philosophie eigentlich immer alles zitiert, das je zu einem bestimmten Thema gesagt bzw. geschrieben wurde? In der Naturwissenschaft gibt es den aktuellen Stand des Wissens. Der ist unabhängig von irgendwelchen Autoritäten und enthält nicht die Schlacke der vergangenen Jahrhunderte. Das Ergebnis ist kurz, übersichtlich und präzise. Und wer sich doch für die Gedanken der Altvorderen interessiert, wird in der Wissenschaftsgeschichte wohl versorgt.

Man sagt ja, daß junge Wissensgebiete oft noch nicht so weit sind, eine geschlossene Beschreibung vorlegen zu können. Den Vorwurf der Jugend kann man der Philosophie nun aber nicht machen. Ist es eher das Alter? Ist die Philosophie von Demenz oder anderen neurodegenerativen Störungen (im übertragenen Sinne) bedroht?

Sicher kann man mir vorwerfen, dass mir einfach das Verständnis und die Übersicht bezüglich der Philosophie und aller ihrer Teilgebiete und Strömungen fehlen. Aber als Naturwissenschaftler mag ich es nun einmal klar und verständlich. Und komischerweise funktioniert es ja auch in den Naturwissenschaften. Warum nur?

Zwischendurch habe ich jetzt mal wieder zu einem Sachbuch gegriffen – „Eine kurze Geschichte der Unendlichkeit“ von Paolo Zellini.

Die Lektüre fällt mir recht schwer. Alles was mit Mathematik zu tun hat, verstehe ich problemlos. Aber von dem Meisten, das ins Philosophische abdriftet, bleibt mir der Sinn verborgen. Dieses Dunkle, Schwere ist wohl nichts für einen einfach, geradlinig denkenden Naturwissenschaftler. 😉

Update: Ich habe die Lektüre wieder abgebrochen. Es ist leider nicht das, was ich erwartet habe.

Nächste Seite »