Tobi hat auf seinem Blog eine wirklich gelungene Anleitung gegeben, wie man seine Bücher wieder etwas auffrischen kann, ohne gleich Haus und Hof verkaufen zu müssen.

Das Zitat einer bekannten Autorität schmückt die eigene Aussage ungemein. Und wenn man nichts Passendes zur Hand hat, hilft man etwas nach. Die Medien und das Netz sind voll von falsch zugeordneten und erfundenen Zitaten.

Und darum dreht sich Martin Raspers Buch „»No Sports« hat Churchill nie gesagt: Das Buch der falschen Zitate„. Er hat sich ein paar der bekannteren Zitate ausgewählt und deren Entstehung und Quellen näher untersucht. Dabei hat der Autor gründlich gearbeitet und alle seine Zitate exakt nachgewiesen.

Ein sehr lesenswertes und erhellendes Buch.

P.S. Der Blog „Zitaträtsel“ widmet sich ebenfalls falschen und entstellten Zitaten.

Wie ich schon bei David Hilberts Biographie hervorhob, ist ein guter Buchtitel ein gutes Lockmittel für Leser. „Der Mann, der die Erde wog“ von Richard von Schirach ist wieder so ein Titel.

Diesmal geht es um Menschen, deren Entdeckungen die Welt veränderten. Es sind überwiegend tragische Schicksale. So erfahren wir u.a. von Boltzmanns Selbstmord, die Tragödie um Max Plancks Sohn Erwin, Cavendishs Menschenscheu und Lew Landaus schrecklichem Unfall. Man erfährt etwas über den Zusammenhang von Nernsts Doktoranden und der Bombardierung Dresdens.

Da ich gerade Hilberts Biographie las, ist die nun etwas andere Sicht auf Göttingen interessant.  Es finden sich des weiteren Biographien von Bunsen, Kirchhoff, Michelson und Oppermann.

Besonders schwer fiel mir die Lektüre von Houtermans‘ Schicksal. Es ist immer wieder entsetzlich, was Menschen sich gegenseitig so antun können.

Alles in allem aber trotzdem eine faszinierende Lektüre.

P.S. Ein besseres wissenschaftliches Lektorat hätte sicher geholfen, Fehler (so ist z.B. auf Seite 137 nicht das Strahlengesetz sondern die Kirchhoffchen Regeln auf der Briefmarke zu sehen) und Ungereimtheiten zu vermeiden.

Reisen bietet große Vorteile, und nichts vermag Vorurteile besser zu überwinden, denn ich gestehe, ich hatte keine so günstige Meinung von Deutschland.

(David Hume)

Rainer Wieland versammelt in seinem Buch Das Buch der Deutschlandreisen: Von den alten Römern zu den Weltenbummlern unserer Zeit“ ein weites Spektrum an Reiseberichten. Beginnend mit Cäsar und Tacitus, über David Hume, Madame de Staël und Stendhal bis zu John F. Kennedy und Andy Warhol (um nur ein paar der bekanntesten zu nennen) reicht die Palette der Autoren. Jeden Bericht setzt Wieland in den zeitlichen und biographischen Kontext. Illustrationen und Fotos lockern die Texte etwas auf.

Es ist interessant zu lesen, wie der Blick von außen sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Wie die Leute über Deutschland dachten und wie sie es wahrnahmen. Was die Reisenden als wichtig erachteten und warum überhaupt sie nach Deutschland kamen.

Eine meiner Lieblingsgeschichten aus dem Buch ist der Bericht von F. Forsyth als Reuters-Korrespondent in Ost-Berlin. Es ist kaum zu glauben, dass das wirklich so passiert ist.

Also Leute, wenn Ihr Reiseliteratur mögt, kann ich Euch das Buch ans Herz legen. Es ist aber ob seiner 1.6 kg als Bettlektüre wenig geeignet. 😉

Daniel Kampa bringt den Maigret nun doch nicht selbst heraus. Die NZZ vermeldet, dass die Taschenbücher und noch einige andere Bände nun bei Hoffmann und Campe erscheinen werden. Hatte Kampa sich mit seinem Projekt übernommen?

Aufmerksam wurde ich auf Georg von Wallwitz‘ Buch als erstes durch dessen Titel — „Meine Herren, dies ist keine Badeanstalt: Wie ein Mathematiker die Welt veränderte“. Und ein kurzer Blick ins Buch bestätigte, das das wohl eher keine durchschnittliche Biographie ist. Die Lektüre hat dies nun bestätigt.

Entlang der Biographie David Hilberts wird die Entwicklung der Mathematik, Relativitätstheorie und Quantenphysik zu Beginn des 20. Jahrhunderts präsentiert. Die wichtigsten Protagonisten (wie z.B. H. Minkowski, E. Noether, A. Einstein, F. Klein, J. von Neumann etc.) werden mit Kurzbiographien vorgestellt und ihre Interaktion mit Hilbert geschildert. Leibnitz als einem gedanklichen Vorläufer ist ein ganzes Kapitel gewidmet. Das Ganze liest sich mehr wie eine Wissenschaftsgeschichte denn eine Biographie. Aber dem Autor gelingt es, die Personen und Ereignisse so zu beschreiben, das es nie langatmig oder langweilig wird.

Entsetzt hat mich das Ende der Geschichte. Es ist immer wieder traurig zu lesen, wie die Nazis in kürzester Zeit die intellektuelle Elite aus Deutschland vertrieben. Und in Göttingen eine „Deutsche Mathematik“ propagierten.

Ich möchte für dieses Buch eine klare Leseempfehlung aussprechen.

Die einen lesen G.R.R. Martins „Ein Lied von Eis und Feuer“. Andere schauen die Fernsehserie „Game of Thrones“. Und dann gab es noch die Gruppe von Leuten, die sich im Oktober 2015 zusammensetzten, um kulturwissenschaftliche Perspektiven von Buch und Show zu diskutieren. Auf Grundlage dieser Diskussionen entstand der Band Die Welt von »Game of Thrones«: Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf George R.R. Martins »A Song of Ice and Fire«“ von Markus May et al. Inhaltlich schlägt er einen weiten Bogen von Politik, Religion und Mythen über die Darstellung von Kindheit und Jugend, Filmmusik und Schwertkämpfen bis zu Computerspielversionen und die Darstellung von Sex und Nacktheit.

Wie es sich für ein deutschsprachiges wissenschaftliches Werk gehört, ist nicht jeder Beitrag leicht und flüssig lesbar. Mancher Beitrag ist sehr nah am Thema, andere berühren es nur peripher. Es ist alles in allem keine leichte Lektüre. Aber ich habe einiges erfahren, das mir so bisher nicht aufgefallen bzw. bewusst war. Und einiges Neues gelernt, wie zum Beispiel über Filmmusik, über das ich mir bisher keine Kopf gemacht habe.

Ja, doch, die Lektüre lohnt sich.

P.S. Einer der Autoren verwies auf ein Musikvideo, welches sehr schön zum Thema passt.