„Die Ritter vom Geiste“ sind ein sehr umfangreicher Roman (3600 Seiten) über die Zeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Arno Schmidt war ein großer Verehrer dieses Werkes und hat es aus der literarischen Versenkung geholt.
Der Roman spielt in der Zeit nach der Revolution 1848 in Berlin. Gutzkow erwähnt nie den Ort. Aber er ergibt sich aus dem Kontext. Protagonisten aus allen Bevölkerungsschichten werden in die Handlung einbezogen. Dadurch erhält man ein sehr lebendiges Bild der damaligen Zeit. Wobei Gutzkow den vierten Stand lebendiger beschreibt als den Adel. Die sogenannten Ritter vom Geiste sind ein Geheimbund, der durch seine Mitglieder Gutes in der Gesellschaft bewirken will. Man betrachtet sich als den legitimen Nachfolger der Templer.
Viele der anfänglich unabhängig eingeführten Personen erweisen sich im Laufe der Geschichte in der einen oder anderen Weise miteinander verbunden/verwandt.
Gutzkow bezeichnet im Vorwort seinen Roman als einen Roman des Nebeneinander. Manchmal ist es eher ein Durcheinander. Durch die Länge des Romans ergeben sich viele Durststrecken. Leider ist Gutzkow eher ein Journalist als ein Literat. Er bringt oft stammtischparolenhaltige Gespräche, die seine politische Überzeugung vermitteln sollen. Es gab einige Passagen, an denen ich mich gut unterhalten gefühlt habe, aber die reichten nicht über die ganze Länge des Romans. Ich kann diesen Roman nur Leuten mit viel Durchhaltevermögen empfehlen.

Man wollte die Wissenschaft, die Wahrheit, aber nur nicht zu wissenschaftlich, nicht zu wahr.

(Karl Ferdinand Gutzkow “Die Ritter vom Geiste”, S. 3219)

Der Verstandesmensch ist gleich bei der Hand, wo Hülfe noththut. Der Gefühlvolle betet, wünscht uns das Beste hienieden und im Jenseits und geht, abscheulicher als der Pharisäer, an dem von Mörderhand getroffenen Wandrer vorüber, über den er nachher eine Elegie schreibt.

(Karl Ferdinand Gutzkow “Die Ritter vom Geiste”, S. 2416)

Wie es zwischen jungen Männern zu geschehen pflegt, ihre Gespräche beginnen mit dem Universum und hören mit den Frauen auf.

(Karl Ferdinand Gutzkow “Die Ritter vom Geiste”, S. 1801)

… das Chaos der Bildungslosigkeit, die Tyrannei der Bildungsverachtung nenn‘ ich den Untergang der Welt.

(Karl Ferdinand Gutzkow “Die Ritter vom Geiste”, S. 1726)

… ein Land, in dem man schweigen muß, lehrt uns denken. Da, wo man Alles sagen darf, denken die Menschen nicht mehr.

(Karl Ferdinand Gutzkow „Die Ritter vom Geiste“, S. 1047)

Das Altwerden ist eine dumme Angewöhnung! Nichts Anderes! Wir kommen der lahmen und hinfälligwerdenden Natur ja immer auf halbem Wege entgegen! Nehmen Sie schon in der Jugend! Der Knabe quält sich förmlich ab, ein Jüngling zu werden! Er raucht Cigarren, daß ihm grün und gelb vor den Augen wird! Er bindet sich Cravatten um den Hals und kräht Alt wie ein Hahn, während er noch den reinsten Kanarienvogelsopran in der Kehle hat! Ist er dann mit Ach und Krach ein Jüngling geworden, so quält er sich schon wieder ein Mann zu sein! Er will heirathen, solid werden, spricht vom Glück der Ehe und sieht Kinder an der Mutterbrust neben sich und schaukelt schon welche auf den Knieen. Gut! Dann wird er ein Mann! Nun will er gravitätisch erscheinen und spricht von seiner Würde. Bequemlichkeit wird die Belohnung seiner Anstrengungen, Brot zu verdienen. Auf den Bällen tanzt er nicht mehr. Mit den gesundesten Schenkeln gebehrdet er sich wie ein Casinogast und spielt Whist. Setzt er sich ans Klavier, so konnt‘ er sonst ganz leidlich singen. Er kann es auch noch; aber aus Bequemlichkeit hebt er nicht mehr die volle Brust, sondern stöhnt und ächzt und läßt die Flügel hängen. So geht Das fort, bis dann natürlich das Alter wirklich da ist und die Natur frohlockt, ihren Sieg über den Geist davongetragen zu haben. Nein, nein, Doktor, sagen Sie’s allen Ihren Patienten! Das Alter ist nichts als eine dumme Angewöhnung.

(Karl Ferdinand Gutzkow „Die Ritter vom Geiste“, S. 911f.)