Es ist schon erstaunlich, daß Wissenschaftler, die noch vor ein paar Jahren glaubten, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch auf den Begriff bringen zu können, angesichts dummdreister Sprechblasen aus dem Jargon des New Mana­gement nahezu widerstandslos kapitulieren. Daß es nie­mand mehr auffällig findet, wenn Universitätslehrer zur Nachbesserung ihrer hochschuldidaktischen Fähigkeiten zu einer Unternehmensberaterin mit abgebrochenem Psychologiestudium geschickt werden, daß es niemand anstö­ßig findet, wenn Kandidaten für eine Professur oder Assi­stentenstelle sich im Assessment Center produzieren müssen, daß niemand aufschreit, wenn die letzten Ladenhüter der Unternehmensideologien den Universitäten als der neueste Schrei verkauft werden – vom Blended Learning über Diversity Management bis hin zur »Wissensbilanz« -, sagt eigentlich alles über die Widerstandskraft der institutiona­lisierten Wissenschaft gegenüber dem Zeitgeist: Sie ist so gut wie nicht vorhanden.

(Konrad Paul  Liessmann „Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft“, S.122f.)

Wissen kann deshalb nicht konsumiert werden, Bildungsstätten können keine Dienstleistungsunternehmen sein, und die Aneignung von Wissen kann nicht spielerisch erfolgen, weil es ohne die Mühe des Denkens schlicht und einfach nicht geht.

(Konrad Paul  Liessmann „Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft“, S. 31)

Man wollte die Wissenschaft, die Wahrheit, aber nur nicht zu wissenschaftlich, nicht zu wahr.

(Karl Ferdinand Gutzkow “Die Ritter vom Geiste”, S. 3219)